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Warum Deutschland beim Glasfaserausbau so weit abgeschlagen ist

Dieses Thema im Forum "Internet über Sat, Kabel, Mobilfunk und Festnetz" wurde erstellt von Heilstrom, 7. November 2018.

  1. Heilstrom

    Heilstrom Silber Member

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    Fast hätte ich es schon vergessen, aber im Video erinnert sich auch jemand dran: Helmut Schmidt hatte in 1982(!) schon Pläne, in Deutschland landesweit Glasfaser zu verlegen (ok, ohne DDR natürlich), aber dann kam das blöde Kabelfernsehen in die Quere und Kohl stoppte die Pläne, weil es hieß "einmal alles aufbuddeln reicht ja wohl". Und nur Fernsehen war damals wichtig. Datenleitungen waren damals etwas völlig utopisches. Bildschirmtext war das höchste der Gefühle und schien für die Ewigkeit gemacht zu sein. Kupfer reichte dafür angeblich völlig aus. Danach kam die bis heute immer schlimmer grassierende Technikfeindlichkeit und eine lächerliche Selbstgefälligkeit und Mittelmaß um die Jahrtausendwende wie "die Bibel in 2 - 3 Sekunden runterladen zu können, reicht ja wohl. Kommt mal wieder runter!"

    Wäre statt Koaxkabel damals Glasfaser verlegt worden, was es natürlich schon längst gab, wäre uns das Milliardengrab Kabelfernsehen erspart worden und viele darauf folgende Fehlentscheidungen verhindert worden. Z.B. die unselige Versteigerung der UMTS-Frequenzen, die 65 Mrd einbrachte, die Mobilfunkkunden heute noch abbezahlen müssen.

    Selbst Rumänien und Brasilien haben heute ein schnelleres Internet als Deutschland. Es ist einfach nur noch zum Fremdschämen. Und anstatt endlich GPRS und EDGE abzuschalten, müssen immer mehr Kanäle freigemacht werden, damit 4G und 5G auch noch unterkommen. So als hätte man in 1967 das Schwarz-Weiß-Fernsehen separat weiter laufen lassen, damit niemand benachteiligt wurde. Heute will die vergreisende Bevölkerung aber nur noch abwärtskompatibel sein. Wir haben den Anschluss wohl endgültig verloren.

     
  2. Radiowaves

    Radiowaves Senior Member

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    Na, lass mal die Kirche im Dorf. Offenbar leidet Deutschland in Summe nicht so sehr unter mangelnder Internetgeschwindigkeit, dass das Land wirtschaftlich Nachteile hätte, die sich real zeigen würden.

    Das Problem liegt eher darin, dass manche Regionen komplett von annehmbaren Internetgeschwindigkeiten und -verfügbarkeiten abgeschnitten waren und teils noch sind: Dörfer, Stadtteile, Gewerbegebiete. Dort ist es wirklich kritisch, aber nicht wegen fehlender Gigabit-Geschwindigkeit, sondern wegen "ISDN only".

    Ob ein Privathaushalt nun 16 MBit/s oder 50 MBit/s hat, wäre für fast alle Menschen derzeit noch völlig irrelevant - solange nicht TV unsinnigerweise über diesen Weg "empfangen" wird und solange man nicht glaubt, leiden zu müssen, weil die Vorsilbe "giga" fehlt. Ich kenne letztlich niemanden (und ich kenne viele Akademiker, auch Familien mit Kindern), die unter schlechtem Internet leiden würden. Da hängen Familien mit 2 Akademikern und 3 Kindern (darunter mindestens ein hochbegabtes Kind, das die 2. Klasse übersprungen hat, Mathematik, Informatik und Schach als Interessen hat und an einer naturwissenschaftlichen Spezialschule lernt) am WLAN des Nachbarn mit, inkl. wackligem Empfang. Da haben Familien 16 MBit/s und reizen es nichtmal ansatzweise aus. Da zieht eine promovierte Medizinerin das LAN-Kabel sofort nach Abruf ihrer EMails wieder aus dem Laptop - zur "Sicherheit". In allen 3 Familien gibt es darüber hinaus keinen Fernseher.

    Die Kinder sind absolut helle und fit, geistig wie körperlich - warum wohl? Weil sie eben nicht den ganzen Tag am Netz hängen und apathisch surfen oder daddeln. Meine Erfahrung als jemand, der ab und an "Hausbesuche" macht im Auftrag unseres Kabelnetzbetreibers, wenn es bei Kunden Probleme gibt, sind erschütternd und eindeutig: je höher der Bildungsgrad der Eltern, umso höher einerseits die geistige und körperliche Fitness der Kinder und umso weniger wichtig sind TV und Internet. Je niedriger Bildungsgrad und Haushalteinkommen, umso größer und zahlreicher sind die Fernsehgeräte und das ganze Internet/Computer-Zeugs. Auch gilt offenbar: "je ärmer, desto Sky" - so habe ich es zumindest kennengelernt.

    Auch wird vergessen, dass in den 1990er Jahren durchaus regional Glasfaser verlegt wurde, aber mit OPAL interfacetechnisch "verkackt" wurde. Im Endeffekt ging Internet kaum darüber, bis mit Kupfer überbaut wurde.

    Wie man im Internet lesen kann, führt eine Spur zum damaligen Bundespostminister und seinem familiären Anhang. Da mir außer den Internetquellen dazu keine weiteren Informationen vorliegen, verweise ich hier nur darauf und werde die getätigte Behauptung nicht wiederholen.

    Es gab immerhin BIGFON/BIGFERN, ein Multimedia-Pilotprojekt mit Datenanwendungen. Darin wurden aber nur 7 Pilot-Inseln mit jeweils ein paar Dutzend (!) Anschlüssen einbezogen.

    Kannst Du das an irgendwas festmachen? Die wenigen Menschen, die sich noch nicht zu Smombies gemacht haben, gelten heute ja schon als putzige, skurrile Gestalten und werden wie exotische Tiere im Tropenhaus des Zoos beäugt. Inzwischen läuft ja fast alles via App - sogar die Partnersuche. Bloß weil man nur 16.000er DSL zu Hause hat, muss man noch lange nicht "technologiefeindlich" sein.

    Im Gegenteil: mir sind inzwischen etliche Senioren untergekommen, die mit dem Internet höchstens ihre Mails abrufen (die zu 75% aus Spam von Versandhäusern besteht, ganz wie im physischen Briefkasten auch), sich aber von eifrigen "Kundenberatern" fette Internetverträge haben aufschwatzen lassen. Ich habe mehrere Haushalte im Bekanntenkreis, in denen das so ist, in denen fast keine Internetnutzung stattfindet (mein Onkel wollte mir (44) beim letzten Besuch sogar verbieten, meine Mails abzurufen über sein LAN, weil ich "mich erholen" solle und nicht "im Internet spielen"), in denen aber 50.000er DSL verfügbar ist. Purer Unsinn, da hätte ein 16.000er auch mehr als genügt. Aber sie zahlen es und zumindest der Betreiber ist glücklich. So schlecht scheint es um die verfübaren Zugänge also doch nicht bestellt zu sein.

    Quatsch. Das Kabelfernsehen gab es viele Jahre mit ausschließlich analoger Modulation der Trägerfrequenzen. Leistungsfähige Videocodecs standen damals gar nicht zu Verfügung, brauchbare Audiocodecs gab es ab Ende der 80er Jahre auf ISA-Karten voller Baulänge. Wäre Digital-TV in annehmbarer (also besserer als vorher) Qualität damals möglich gewesen, wäre auch Satellitenfernsehen schon digital gewesen. Aber auch das dauerte bis Ende der 90er Jahre. Und da gab es die Kabelnetze schon 20 Jahre lang.

    Auch in einem der Vorzeigeländer (Schweiz) hat man bis heute Kabelfernsehen bekannter Art, darunter teils immer noch Netze mit analogem TV (!) - neben vollem DVB-C-Angebot natürlich. Selbst für den Weiterbetrieb von UKW im Kabel hat man sich eine Lösung ausgedacht (FMplus), weil UKW für viele Menschen "Gewohnheitsrecht" ist, einfach zu bedienen, mit vorhandener bereiter Endgerätebasis, frei von Softwaremacken und qualitativ offenbar für viele völlig ausreichend. Das schnelle Internet gibt es zusätzlich - und man lässt es sich im Vergleich zu Deutschland durchaus fürstlich bezahlen. Für eine TV / 50-MBit/s-Internet / Telefon-Lösung sind ruckzuck CHF 100 im Monat weg. Für CHF 100 kann ich zu dritt einmal gut essen gehen. Ich würde grob den "Umrechnungssatz" 1:2 ansetzen - die Kabel-Kombi für CHF 100 entspräche damit in Deutschland etwa 50 EUR. Bei der Pyur bekomme ich 60 MBit/s (im Upload aber nur 3 MBit/s, bei der UPC Schweiz sind es beim 50er Tarif z.B. 5 MBit/s), TV und Telefon für 35 EUR / Monat. Das ist am realen Preisgefüge gemessen noch günstiger als in der Schweiz. Bei der Unitymedia kosten 30 MBit/s + TV + Telefon 40 EUR im Monat und bis zu 150 MBit/s (Upload bis zu 10 MBit/s) sind für 50 EUR im Monat zu haben. Da ist man preislich deutlich günstiger als die Schweizer bei der UPC.

    Dann erkläre mir mal, wie Glasfaser in die Wohnungen das mobile Internet überflüssig gemacht hätte. Glasfasern sind zwar doch ein bissl flexibler als dicke Koaxkabel, aber zum Mitnehmen auf die Straße, ins Auto oder in die Bahn doch eher weniger geeignet.

    ..weil sie später angefangen haben. Das ist doch immer so: wer zuerst kommt, ist auch als erster veraltet.

    Offenbar leiden meine vergreisten Freunde um die 40-45 nicht allzusehr unter dieser Diagnose.

    Real notleidend sind in Deutschland vor allem diejenigen, die auch mit allerschnellstem Internet nichts weiter anstellen könnten als daddeln, surfen und hassen/hetzen. Die, die geistig bissl mehr auf der Pfanne haben, kommen erstaunlicherweise (?) mit deutlich weniger aus, sie haben andere Prioritäten im Leben.

    Ach so, Prioritäten: die Bahn baut inD eutschland ja momentan das "digitale Nutzererlebnis" massiv aus mit Apps und Assistenten und allerlei Firlefanz. Dafür vernachlässigt sie ihre Kerntugenden: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit. Was nützt eine digitale Hightech-Umgebung mit Echtzeit-Monitoring, wenn ich darüber auch nur erfahre, wo ich eine Stunde lang wegen verpassten Anschlusses stranden werde? Dann lieber keine App und dafür pünktliche Züge, Datenströme sind nicht alles im Leben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. November 2018
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  3. DVB-T2 HD

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    Wenn du mit „ISDN only“ die 2MBit ADSL-Anschlüsse meinst, hast du recht. Gebiete mit nur ISDN-Anschlüssen gibt es entweder gar nicht mehr oder werden ja in absehbarer Zeil auf All-IP Anschlüsse umgestellt, weil ISDN-Anschlüsse wie auch analoge Telefonie-Anschlüsse komplett wegfallen sollen.
     
  4. SMan

    SMan Silber Member

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    @Heilstrom: Auch in der DDR wurden schon knapp 60km Glasfaser (DDR: Lichtwellenleiter) vor dem Mauerfall verlegt.
     
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