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Die Mauer / innerdeutsche Grenze

Dieses Thema im Forum "Politik" wurde erstellt von littlelupo, 20. August 2004.

  1. littlelupo

    littlelupo Guest

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    Darüber ließe sich viel diskutieren – Das ist doch schon mal schön, wir sollten gleich damit beginnen.

    Ich selber kenne die innerdeutsche Grenze nur aus dem Fernsehen. In den achtziger Jahren war es für die weiterführenden Schulen hier in der Region üblich, daß sie Klassenfahrten nach (West-)Berlin organisiert haben. Darin inbegriffen war sozusagen auch ein Tag, an dem die ganze Klasse einen „Ausflug“ in den Ostteil der Stadt gemacht hat. Als Kind hat man mir diese Dinge erzählt. Ich habe noch in Erinnerung, wie schrecklich die Grenzkontrolle, das ganze Szenario (für die Teilnehmer dieser Klassenfahrt) gewesen sein soll. Als Kind konnte ich das alles nicht richtig verstehen. Ich habe nachgefragt, ob die Leute aus dem Ostteil der Stadt wirklich nicht spontan in den Westteil gehen durften. Nein, wurde mir gesagt. Da habe ich nur gedacht, was das wohl für Untiere an der innendeutschen Grenze sein müssen. Keine Menschen auf jeden Fall.

    Ich halte die innerdeutsche Grenze für eine große Lebenslüge in der Geschichte des deutschen Volkes, bin froh, daß diese Grenze auch größtenteils aus der Landschaft verschwunden ist.

    Wenn man heute in Berlin durch das Brandenburger Tor geht, so sind das halt nur ein paar kleine Schritte. Man sollte aber nie vergessen, daß es genug Menschen gegeben hat, die zwischen 1961 und 1989 einen solchen Grenzübertritt mit ihrem Leben bezahlen durften. Aus meiner Sicht eine Riesen-Errungenschaft, daß dieses häßliche Ungetüm für immer verschwunden ist.

    Manchmal fahre ich mit dem Auto am Wochenende nach Thüringen, um da Freunde zu besuchen, die da studieren. Mir ist nur aufgefallen, egal ob man jetzt in den alten oder neuen Bundesländern unterwegs ist, daß über uns allen der gleiche Himmel ist und wir alle die gleiche Luft einatmen. Die Grenze zwischen Ost und West war völlig willkürlich, einzig bestimmt dadurch, wo welche alliierten Truppen 1945 Gebiete für sich gewinnen konnten.

    Nur wenn ich wieder zurückfahre, dann steht da immer so ein Schild „Willkommen im Bundesland Hessen“. Nun, ich kann meine eigenen Wurzeln nicht verschweigen, ich fühle mich in Hessen, also den alten Bundesländern, eigentlich immer noch ein wenig mehr zu Hause als wenn ich am Wochenende in Thüringen bin.

    Welche Erfahrungen habt Ihr mit der innerdeutschen Grenze gemacht?

    Ich hoffe auf eine rege Diskussion, habe aber leider die Befürchtung, es könne sich jemand zu Wort melden, der versucht, den Schießbefehl an der Mauer zu rechtfertigen. Da ich derjenige bin, der dieses Eingangsposting schreibt, nehme ich mir gleich das Recht heraus, Argumentationen dieser Art auf Schärfste zu verurteilen.
     
  2. Michael

    Michael Platin Member

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Die Mauer war für mich als Kind was faszinierendes. Nicht wegen der vielen Toten, von denen ich als Ossi-Kind eh nie wirklich was erfahren hatte, sondern weil drüben alles "Gute" war und bei mir alles "Schlechte" ;)
    Ich weiß noch, wo mein alter Herr in der Charité lag und ich vom Fenster aus in den Westen schauen konnte. Da waren die Sirenen der Polizei viel cooler als das dämliche Tatütata von unseren Bullen :D Es war wie in einem alten Derrick-Streifen ;)
    Dann die viele Werbung, die nachts immer so geil strahlte und der Mercedes-Stern aufm Europa-Center, den man ja von der Charité aus gut sehen konnte.

    Naja ... als Kind eben ... da findet man eh alles geil, was man nicht so leicht haben kann :D
     
  3. whitman

    whitman Wasserfall

    Registriert seit:
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    Beiträge:
    8.479
    Ort:
    München
    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Nicht nur als Kind.

    whitman
     
  4. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

    Registriert seit:
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    Ort:
    Magdeburg
    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Die Gründe für den Bau und Bestand der Mauer sind sehr vielschichtig. Jedenfalls sind sie auf keinen Fall nur mit der Erklärung zu begründen das die Leute eingesperrt werden sollten. Das war "nur" einer von mehreren Gründen. Fakt ist ist auch: Im Jahr 61 als der Mauerbau von der UdSSR angewiesen wurde hatte dies auch eine Berechtigung. Der Hauptgrund bestand auf das zusammenstoßen zweier Militärbündnisse die immer kurz vor dem Krieg standen. Dies wurde von beiden Seiten verursacht. Richtig ist auch, das die DDR Wirtschaft gegenüber der BRD immer im Rückstand war. Über die Ursachen brauchen wir uns hier nicht unterhalten, aber die Tatsache war existent. Schon Ende der 50er Jahre war eine Differenz zwischen Lohngefüge und Warenangebot vorhanden. Daher waren verständlicher Weise die Leute von Verlockungen nicht gefeilt. Das Land zu verlassen war eine Alternative. Anderseits bestand auch eine gezielte Abwerbungsmaffia die sich dies auf seitens der BRD zunutze machte. Erst neulich bei Guido Knopp zu sehen, jahrelang geleugnet, doch bestätigt. Die aufstrebende BRD brauchte damals Personal. Und die Leute in der DDR waren gut ausgebildet, und allemal "brauchbarer" als die Leute aus Italien. Ärzte waren ohnehin willkommen. (Beispiel gibts auch bei uns in der Verwandtschaft.) Das das wiederum von der DDR mit einer entsprechenden Propaganda begleitet wurde, ist klar. Fakt ist auch, und so berichten mir auch meine Großeltern, das von einer Vielzahl der Leute der Mauerbau auch begrüßt wurde. Eine gewisse Beruhigung trat ein. Die Wirtschaft erholte sich und ab ca. 63 gab es fast so etwas wie ein Wirtschaftswunder in der DDR. Begleitet wurde dies durch den Versuch von Wirtschaftsreformen unter der Regie und Idee von Ulbricht, Appel und damals sage und schreibe Mittag. Viele Leute sprechen immernoch von den goldenen 60er Jahren. Ulbricht wurde deshalb immer wieder von der SU und Hartlinern aus eigenen Reihe attakiert. Spätestens mit dem Sturz Ulbrichts durch Honecker und Brechnjew war es damit vorbei. Immerhin hatte Honecker einen Schuldenfreien Staat übernommen.
    Zurück zur Mauer: Auch der amerikanische Präsident hat damals den Mauerbau eher wohlwollend zu Kenntnis genommen. Trotz seine "Ich bin ein Berliner"-Sprüche. Immerhin hat sich auch die Weltpolitische Lage danach entspannt.
    Zu dieser Zeit war die USA mit Kernwaffen ca 5x besser bestückt als die SU. Der "endgültige" Krieg stand immer kurz bevor. Dies sollte man also immer im Zusammenhang sehen. Ein bloses simplifizieren ist nicht angebracht, obwohl ich weiß das das in beiden Schulsystemen gemacht wurde.

    Spätestens mit der annäherung beider Deutschen Staaten hätte aber die Mauer mindestens durchlässiger sein sollen, ja spätestens mit den 70er Jahren war sie auch überflüssig. Hier liegt die Hauptschuld der Politbürokaste. Ohne wenn und aber.
    Auch wenn die Wirtschaftskraft unter Honecker langsam aber stetig wieder abnahm. Hätten die Leute eine Reiseperspektive gehabt, wäre es nicht zu den teils massiven Ausreisen gekommen. Das ist meine These. Denn finanziell und eigentlich auch Materiell, vom sozialem Gefüge schon mal gar nicht gesprochen, standen die DDR-Bürger auch im Europäischem Bereich nicht schlecht da. Das wussten auch die meisten. Es ging vielen um die "Kleinigkeiten", also die Engpässe in den Dingen des Täglichen Bedarfs. Letztendlich ist die DDR daran, simpel gesagt, gescheitert.
     
  5. Gorcon

    Gorcon Kanzler Mitarbeiter

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Ausserdem wurde die ehemalige DDR von der damaligen SU regelrecht "Ausgebeutet". zusätzlich kamen die Kriegsreparationen die bis 1954 gezahlt werden mussten. 5% des gesammten Staatshaushaltes gingen auch danach noch an die Sowjetunion.
    Gruß Gorcon
     
  6. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Ja, auch ein ganz elementarer Grund das die Wirtschaft nicht in Schwung kam. Es gab überhaubt eine seltsame Symbiose mit der SU. Einerseits wurde so ziemlich alles in die SU geliefert, andererseits war auch die DDR Massiv von der SU abhängig.
    Ohne die "Unterstützung" der SU auch mit Lebensmittellieferungen (so paradox das klingt)in den kriesenhaften 80er Jahren wäre die DDR schon vorher am Ende gewesen.
     
  7. Terranus

    Terranus ErdFuSt Mitarbeiter

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Ich möchte Eike in keinem der Punkte völlig widersprechen - aber ich denke, dass die "Kleinigkeiten" eben die ganz elementare persönliche Freiheit, doch sehr vielen Leuten dort fehlte.
    Auch ein Punkt der zum Forum passt: hätte es das West TV in der DDR nicht so verbreitet gegeben, wäre auch die Unzufriedenheit nicht so stark gewachsen.
    Während Ulrbricht das West TV ja noch aktiv bekämpfte, gab Honecker die These aus, sollen sich doch die beiden Systeme auch im TV einen Wettstreit liefern, West TV war von da an in der DDR geduldet.

    Trotzallem bleibt da noch die Stasi. Ein Staat, ein politisches System, dass es für nötig hält, seine Mitbürger bis ins kleinste private auszuhorchen, muss massiv fehlerhaft sein.

    Ich war 1989 zehn Jahre alt. Ich habe aber sehr genaue bildhafte Erinnerungen an die Mauer und Sperranlagen, denn wir sind zweimal in die DDR gereist, im Rahmen des sogenannten "Kleinen Grenzverkehrs", da wir in einem "grenznahen" Landkreis wohnten.
    Damals als Kind konnte ich das natürlich nicht einschätzen, aber die Bilder sind geblieben, von kaputten Straßen, Zäunen, der Grenzkontrolle etc. Das vergisst man halt nicht.
    Vorallem auch der beißende Gestank - wenn man heute in die gleiche Gegend fährt, ist das kaum wieder zu erkennen.
     
  8. Gorcon

    Gorcon Kanzler Mitarbeiter

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    mir hat sie nie gefehlt. (bis jetzt war ich erst 4x im "Westen" und noch nie in einem anderen "westlichen" Land.
    Dem stimme ich aber zu.
    Gruß Gorcon
     
  9. Michael

    Michael Platin Member

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Erzähl das mal den Amerikanern mit ihrer derzeitigen Regierung ;)
     
  10. Terranus

    Terranus ErdFuSt Mitarbeiter

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    AW: Die Mauer / innerdeutsche Grenze

    Klar was Bush treibt, ist auch ne Katastrophe, gerade was den "Patriot Act" angeht, halte ich für gefährlich.
    Trotzdem gibt es einen riesen Unterschied zur DDR: hier wurde das eigene Volk auf einer Ebene und in einer Intensität ausspioniert, wie man es (noch) nicht mit den jetztigen USA vergleichen kann.
    Außerdem waren die Folgen in der DDR anders. Schlimmstenfalls eben Knast mit Psychoterror.
    Auch die Intension war unterschiedlich: die USA wollen sich gegen Terroristen verteidigen, die DDR Führung hatte Angst vorm eigenen Volk.
     

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