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30 Jahre deutsche Einheit

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von sunday2, 1. Oktober 2020.

  1. sunday2

    sunday2 Gold Member

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    u.a.
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    Momentan ist ja das große Thema (neben Corona) 30 Jahre deutsche Einheit. 1990 wohnten wir nur knapp 100 m von der Berliner Mauer entfernt in Staaken. Nachts konnten wir bei offenem Fenster die Hunde der Grenzer hören. Den Fall der Mauer haben wir miterlebt. 1990 wurde sie dann beseitigt. Erst kamen Mauerspechte und dann Profis.

    In meinem Video von damals habe ich u.a. den Abbau der Mauer in unserem Bereich festgehalten. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür. Da es sich um VHS-Aufnahmen handelt, ist die Bildqualität natürlich weit davon entfernt, was heute möglich ist. Aber es werden sich ja sicher noch zahlreiche unter euch an diese Zeit vor dem Röhren-TV erinnern, wo das nicht so auffiel.

    Es würde mich freuen, falls jemand noch Fotos oder kleine Geschichten zu diesem besonderen Anlass hier beitragen kann. Mir wäre es aber lieber, wenn es um eigene Erlebnisse aus der Zeit von 1989 bis ca. 1991 ginge und nicht alles Mögliche hier verlinkt würde - zumindest bis der 3. Oktober vorbei ist. So kann man immer mal wieder auf den Anfang sehen. Da es hier ja genug Leute aus der Ex-DDR und auch von der westlichen Seite mit passendem Alter gibt, müssten doch einige persönliche Erinnerungen zusammen kommen aus dieser Zeit. Alles Andere kann ja weiter im DDR-Thread hier erörtert werden wie Treuhand usw.

     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Oktober 2020
  2. Creep

    Creep Guest

    Dann ein paar Impressionen von mir im Jahr der Einheit. In Lehnitz:

    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]

    Ab Januar '90 haben wir eigentlich fast nur noch 48er Wachen gestanden, um das Munitionslager zu bewachen. 80% der Kaserne sind entweder vorzeitig entlassen worden oder in den Zivildienst gegangen. Ich war der mit den ATARI-Computern und dem VHS-Recorder. Hab im Ausgang Filme kopiert, während der Wache für 1 Mark pro Person im KDL abgespielt und so für Ruhe für die Wachleute gesorgt.
     
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  3. Redheat21

    Redheat21 Wasserfall

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    November 89. Da war ich frische 15 Jahre und gerade in der Ausbildung zum Schuhmacher. Zu dieser Zeit waren wir in Ohrdruf im Internat zu unserem 2 monatigen Theorieteil (4 Monate Praxis in den Werkstätten der Heimatort, 2 Monate Theorie in Ohrdruf ).

    Am Tag der Maueröffnung wurden wir in die Aula einer Ohrdrufer Schule bestellt. Bei uns gab im Internat gab es dafür keinen Platz. Dort wurden wir informiert was gerade so lief.

    Als dann Meister Schabowski seinen legendären Satz sagte merkte man schon einen leichten Aufruhr.

    Auf dem Weg zurück zum Internat hatten es vor allem einige der älteren besonders eilig.

    Am nächsten Morgen war es dann besonders leer im Frühstücksraum. Auch der Heimleiter und ein paar Lehrer waren wech.

    Ein paar Freunde und ich haben uns dann ca 1 Woche später mal nach Bebra aufgemacht sind aber dann abends zurückgekehrt.

    Als wir dann wieder zurück in Weimar waren war es in der Lehr Werkstatt und in der Hauptwerkstatt ziemlich ruhig. Viele inklusive meines Ausbilders waren weg.

    1990

    Die Währungsunion habe ich damals bei einem Klassentreffen verbracht. Ich bin 1988 aus der Schule raus während der Klassenstamm bis 1990 durfte. (nächste Woche hätten wir 30 Jahre Schule aus Treffen)

    Das eigentliche Einheitsfest am 3.10 habe ich damals bei meinen Verwandten in Magdeburg verbracht.
     
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  4. Gorcon

    Gorcon Kanzler Premium

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    hattest Du nichts ordentliches zu trinken? ;)
    Weil ich den Spint sehe, ich musste mir, als ich bei der Fahne war, eine schriftliche genemigung von einem hohen Offizier (weiß nicht mehr welcher Dienstgrad) das ich meine stiefel anders in den Spinnt stellen durfte. Die passten so nicht rein.
    So mölig wie Dein Spint auf dem Bild war hätten die mir den Spint einmal "angekantet" und ich hätte alles wieder rein sortieren müssen.
     
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  5. Creep

    Creep Guest

    1990 war eine andere Zeit. Da haben die Offiziere auch mal zuerst gegrüßt. Und Zimmerkontrolle war da sowieso nicht mehr. Hatte diese Spiele Ende '89 noch erlebt.
     
  6. XL-MAN

    XL-MAN Lexikon

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    Im Frühjahr 1989 wurde ich in einer Nacht und Nebelaktion in die BRD abgeschoben.
    Mir wurde die Staatsbürgerschaft aberkannt und ich hatte 24 Stunden Zeit das Land zu verlassen.
    Seit dem Tag lebe ich in Süddeutschland und habe die "Wendezeit" nur im TV miterlebt.
    Nach der Grenzöffnung war ich dann doch froh, Freunde und Familie in Thüringen wieder sehen und besuchen zu können.
    Und meine Familie hatte endlich jemand im Westen den man regelmäßig besuchen kann.:)

    Ich habe somit jeweils rund die Hälfte meines Lebens im Osten und im Westen verbracht.
    Der 2. Teil meines Lebens war der weitaus erfreulichere, ich vermisse nichts aus der ehemaligen DDR.
    Und ich sehe anders als der thür. MP Bodo Ramelow die DDR als Unrechtsstaat, aber das wäre eine lange andere Diskussion.
     
  7. KlausAmSee

    KlausAmSee Wasserfall

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    Für mich als "Wessi" war der Wendezeit aus mehreren Gründen ganz spannend.

    Mein Vater ist - da seine Mutter recht früh gestorben war - viel bei Tanten aufgewachsen. So hat er auch viel Zeit in seiner Jugend in Schwerin verbracht. Mit dem Mauerbau endete das, die Verbindung zur Verwandschaft in Schwerin blieb aber per Brief bestehen und 1974 durften wir auch einen Besuch in Schwerin machen (war für 1973 zum 100. Geburtstag meines Uropas geplant, aber glücklicherweise hat er auch die 101 geschafft, so dass es ein "Beweisfoto" mit mir auf dem Schoß gibt. Erinnerungen habe ich sonst keine).
    1989 waren Onkel/Tante von meinem Vater ja nun schon recht alte Leute und nicht mehr ganz so rüstig und mobil, so dass wir uns nach dem Mauerfall kurzfristig auf eine Abenteuerreise von Handewitt nach Schwerin gemacht haben. Da gab es natüclich keine Straßenkarten und die Straßen waren insbesondere in Grenznähe in keinem wirklich KFZ-tauglichen Zustand (es standen teilweise noch die Beton-Barrieren). Bleifreies Benzin war auch nicht überall zu bekommen, aber es war ja eigentlich auch nur ein Katzensprung (auch wenn es bis dahin wahrscheinlicher erschien, als Astronaut auf dem Mond zu landen als nach Schwerin zu kommen). Wir hatten es nach etwa 3 Stunden geschafft und es war natürlich ein unbeschreibliches Wiedersehen (wobei ich natürlich nur Fotos kannte). Der Cousin meines Vaters hat einen Sohn in ähnlichem Alter wie ich und wir hatten uns dann verabredet, uns Ferienweise gegenseitig zu besuchen. So habe ich die letzen Atemzüge des DDR-Schwerins kennengelernt und er "reales" Westleben (und nicht das aus dem Fernsehen) geschnuppert. Das war natürlich alle hochinteressant. Es gab dann natürlich laufend Besuche, bis dann irgendwann die letze direkte Verwandschaft verstorben ist.

    Nächster Grund: Ich habe eine zivile Berufsausbildung bei der Bundeswehr gemacht und 1990 in diesem Rahmen ein Fachpraktikum im Kalibierlabor auf dem benachbarten Militärflugplatz gemacht. Nach meiner Ausbilung habe ich dort 1991 in halbes Jahr im Kalibrierlabor gearbeitet. Auf der Flight war natürlich Trubel, als die ersten MIGs "zu Gast" kamen.
    Leider erfuhren die Mitarbeiter/Soldaten später aus der Zeitung, dass der Standort (Aufklärungsgeschwader) aufgelöst wird, woraufhin sich alle umgeschaut haben, wo sie irgendwo unterkommen. Ich hatte einen befristen Vertrag bis zum FO-Beginn und die FO sicher, daher war ich immer da und habe zeitweise das Kalibrierlabor quasi alleine geschmissen. Das war eine sehr lehrreiche Zeit für mich.
     
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  8. sunday2

    sunday2 Gold Member

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    u.a.
    Ich danke allen hier herzlich für ihre interessanten Berichte vor, während und nach der Wendezeit.

    Auch als Wessi hatte ich mehrere Jahre engere Beziehungen zur DDR. Das kam so. In den 70ern hatte ich als Junggeselle einen Urlaub in Rumänien. Da ich allein war, schloss ich mich einer Gruppe von Jugendtourist an. Der Kontakt abends am Lagerfeuer war eng und herzlich. Daher wurde ich sogar zu einem Treffen in Dresden eingeladen. Bei der Gelegenheit habe ich dann meine Super 8 Filme vom Urlaub vorgeführt, in denen einige der Gruppe vorkamen. Ja, das Filmen war damals schon mein Hobby.
    Zu einer jungen Dame aus Kamenz entwickelte sich eine engere Beziehung, die über einige Jahre anhielt. Von einem Ausreiseantrag haben wir aber abgesehen. Jedenfalls war ich deswegen häufiger in der DDR.

    Während meiner Zeit in Afrika in den 80ern verlor sich das dann, aber nach der Rückkehr wurde ich durch unsere Nähe zur Mauer daran erinnert.

    Wir wohnten in der Nähe des ehemaligen Grenzübergangs nach Hamburg (B 5) in Berlin-Staaken an der Heerstraße. Dieser war aber nach Eröffnung der Autobahn geschlossen worden. Die Kinder liefen dort Rollschuhe.

    Meine Frau hat am 8. November Geburtstag. An dem Tag 1989 ging es feucht-fröhlich zu, da wir einige Gäste lange nicht gesehen hatten. Radio und TV blieben aus. Am nächsten Vormittag wollte ich Nachschub holen - und glaubte im falschen Film zu sein. Die sonst an dieser Stelle leere Heerstraße war vollgestopft mit Trabis und Wartburgs. Das kam mir wie eine friedliche Invasion vor. So etwas Ähnliches war es dann ja auch.

    Später erfuhr ich dann, was passiert war und stand mit Nachbarn an der Seite um die Besucher zu begrüßen. Einige haben auch Sekt ausgeschenkt.
    Was ich mir nie verziehen habe war, dass ich vor lauter Aufregung in den Tagen das Filmen vergessen habe.

    Beim Abbau der Mauer ein Jahr später habe ich es dann besser gemacht (s. #1).
     
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  9. Ich habe die Wende als junger Mann aus dem Westen erlebt und es war die politisch wohl spannendste Zeit meines Lebens. Ich weiß noch, wie ich abends vor dem Radio hing und ich Zeitzeuge dieser dramatischen Ereignisse war. Der Mauerfall war absolut einzigartig und ich habe ihn auch persönlich als absoluten Glücksfall empfunden. Nie hätte ich damals erwartet, dass ich den bzw. die deutsche Einheit persönlich irgendwann miterleben werde. Umso unverständlicher war für mich immer, dass es da tatsächlich Leute gab die die Einheit nicht wollten und selbst heute noch der DDR nachtrauern.
     
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  10. Eike

    Eike von Repgow Premium

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    Spannend war es....ja... Am Tag der Deutschen Einheit? Die große Freude war bei den Kollegen, die zuerst noch Freude empfanden, schon längst verflogen. Denn wir alle sahen schon den Verlusst des Arbeitsplatzes auf uns zukommen. Zu diesem Zeitpunkt brachen die Prüfaufträge aus dem Westen weg.
    Ich kannte ja den Westen schon von Dienstreisen. Ich wusste was auf uns zukam.
    100 Zahnpastasorten die keiner braucht, aber Drogenabhängige Jugendliche die vor Hauptbahnhöfen lagen.
    Das waren meine Eindrücke, weil ich mich nie von bunt verpackten Waren, Fassaden und Oberflächlichkeiten ablenken ließ. Die anfängliche Euphorie ist auch schnell verflogen. Die 90er Jahre waren die schwärzesten Jahre für viele DDR Bürger, faktisch jeder musste seine Werte und sein Leben über Bord werfen. Das merken wir noch heute.

    Im übrigen, ich war auf der Strasse, weil ich auf eine bessere DDR hoffte.
    Aber dann kam Kohl mit seinen Versprechungen in ein Land, was damals noch gar nicht in seinem politischem Einflussgebiet war. In einem funktionierenden Rechtssystem mit Stolz hätte man diesen Mann schlicht festgenommen.

    Und noch eine Legende: "Der DDR-Bürger" hat gar nichts gemacht. Diejenigen die auf der Strasse standen, waren hochgerechnet vielleicht 2% der Bevölkerung. Die anderen 98% haben hinter der Gardine gestanden oder verhielten sich opportunistisch.

    Und heute? Das was man sich nun wieder mühsam erarbeitet hat, wird mir z.B. jetzt wieder unter den Füßen weggerissen durch eine völlig übertriebene Coronapoltik.
    Das sehe ich nun wieder genauso schwarz wie Anfang der 90er.
     
    Pedigi, Redheat21 und grummelzack gefällt das.