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Vor 35 Jahren!

Dieses Thema im Forum "HDTV, 3D & Digital Video" wurde erstellt von Eike, 12. Mai 2004.

  1. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    Hier wird zwar im allgemeinen über die neuste Technik gesprochen aber ich möchte doch mal an einem technischen geschichtlichen Datum erinnern.

    In diesen Tagen (offiziell am 10.05.1969) wurde im damaligen Fernsehgerätewerk Staßfurt das erste Farbfensehgerät der DDR hergestellt. Ein kleiner Rückblick wie es dazu kam:

    Schon zuvor am 25.08.1967 wurde in der Bundesrepublik mit dem wirkungsvollem Knopfdruck von Willy Brandt das dortige PAL-Farbfernsehen eingeführt. Nun war die DDR im Zugzwang. Die Staatsführung gab den Auftrag zum 20. Jahrestag der DDR mit Farbfernsehsendungen zu beginnen. Schon 1968 wurde im Staßfurter Kreistag beschlossen im Fernsehgerätewerk alle Bedingungen dazu zu schaffen. Unter anderem sollte man sich darauf konzentrieren UHF-Frequenzen für das 2. TV-Programm einzuführen mit Farbe und ein TV-Gerät zu entwickeln das Weltmarktfähige Parameter aufweißt. Diese Entwicklung war sehr hoch angebunden und die meiste Vorarbeit hatte das Zentrallaboratorium für RFT-Technik in Dresden geleistet. Dabei wurde so ziemlich alles falsch gemacht was es gab.

    Hauptschwierigkeit war die Vorgabe eines zu entwickelten Volltransistorierten Farbgerätes. Das war zu dieser Zeit völlig unüblich. Gelang der Clou war es das erste Gerät Weltweit was nur mit Transistoren bestückt wurde. Der Haken war aber das die damals noch vorherrschenden temperturempfindlichen Germaniumtransistoren nicht sehr Spannungsfest waren. Die brauchte man aber um die Lochmaskenröhre mit 24 kV zu versorgen. Entsprechend hohe Ströme flossen also in die Ablenkstufen und sorgte für eine hohe Ausfallrate des Gerätes. Scherzhaft wurde das Gerät "Transistorengrab" genannt. 64 Stk. wurden pro Gerät verbaut.

    Die zweite Schwierigkeit war die notwenige Besorgung von Schaltplänen und Technik des SECAM Systems. Im Gegensatz zur BRD und "mit Abstimmung" mit der SU sollte diese neuste französische Variante III-B in der DDR zum Einsatz kommen. Die Meß- und Prüftechnik dafür musste auf geheimen Umwegen (meist Ungarn) aus Frankreich eingeführt werden. Denn die DDR stand damals auf der Embargoliste der westlichen Staaten.
    Schützenhilfe kam aus der SU mit den Bildröhren (das einzige Farbildröhrenwerk des Ostblocks befand sich dort) und mit bestimmten Transistoren. Die Röhre 59 LK 3Z war wiederum eine amerikanische Lizensproduktion.
    Die ersten Geräte waren nicht sehr Farbstabil. Man hat noch nicht gelernt die Bildröhre optimal vom Erdmagnetfeld abzuschirmen. Jede Drehung des Empfängers quitierte er mit Farbunreinheiten. Aufwendig musste auch die Konvergenz am Aufstellungsort einstellen. Diese Mängel in der Farbwiedergabe wurden vom Volk dem SECAM-System zugeschrieben was aber objektiv nicht stimmte. Auch in der BRD gab es anfänglich diese Schwierigkeiten mit PAL. Dort wurde sogar noch der Farbtonregler eingebaut um Stiche zu kaschieren. Erst später wurden die Bildröhren besser.

    Trotz aller Schwierigkeiten konnten im Jahr 69 1000 Geräte produziert werden und in den Fachgeschäften die Testbilder des DDR-TV´s vorgeführt werden.

    Die Geräte selbst wurden zunächst sehr verhalten angenommen. Das lag zum einem am Preis. (ca. 4000 Mark) zum anderen konnte mit dem Gerät das Westfernsehen nicht in Farbe gesehen werden. Zum dritten strahlte auch das DDR-Fernsehen selbst zunächst nur 3% der Sendungen in Farbe aus und nur auf der neuen UHF-Frequenz des 2.Programms. Dieses Programm konnte man bis Anfang der 70er Jahre(!) nur in Ballungszentren sehen. Die Sender wurden noch nicht ausgebaut.
    Erst Mitte der 70er Jahre war der Zuspruch zum Farbfensehen da. Die Nachfolgegeräte Color 21/Chromatserie wurden wahlweise mit PAL-SECAM Decoder und verbesserten Schaltungstechniken ausgestattet.

    Der Umstand das die DDR das erste Volltransistorierte Farbgerät herstellte war aber eine ertaunliche Leistung. Später war man nicht mehr zu solchen Bahnbrechenden Techniken fähig.

    (Da ich keine Scanner hab kann ich kein Bild des Gerätes reinstellen. Vielleicht gelingt dies jemanden)

    <small>[ 12. Mai 2004, 09:08: Beitrag editiert von: Eike ]</small>
     
  2. Scholli

    Scholli Wasserfall

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    Hallo Eike und danke für diesen sehr schönen Beitrag. Ich hatte so einen Color 20 und etwa 20 kleinen Ringmagneten (in der Schule von der Tafel geklaut. Der Direktor wunderte sich immer nur, das er schon wieder neue Magneten kaufen mußte.) auf der Bildröhre postiert. Also nicht wegen dem 20.Jahrestag der DDR, sondern wegen der Anzahl der zusätzlichen Magneten hieß bei mir das Gerät Color 2o. So hatte ich wochenlang zu tun, bis ich dann doch ein recht farbreines Bild hatte. Aber Du hast recht, verrücken durfte ich das Gerät nicht um einen Zentimeter.
     
  3. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    Lustig breites_ , aber so wirkte das Gerät in der Stube wohl auch unvollkommen mit den Magneten...
     
  4. P800

    P800 Platin Member

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    Ab 1978 wurden auf Weisung des Ministerates der Einbau eines PAL-Farbdecoders ermöglicht.
    Von Stund an gab es Warteschlangen und Bevorzugungsregeln für 'Verdiente Mitarbeiter' in den Volkseigenen Betrieben.
     
  5. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    Kann "offiziell" stimmen. Meine Eltern hatten schon ab 1977 einen "Chromat 2062" mit PAL/SECAM und einer englischen Bildröhre.
    "Verdient" waren wir nicht. Aber ein Verwandter arbeitete in Staßfurt. Mit dem Centrum-Warenhaus hatte Staßfurt direkte Lieferverträge. Und so wusste er wann die Geräte dort ankamen. Das Warenhaus hatte Nummern verteilt nach denen man schon ab 4 Uhr morgens sich anstellte... Nach der Arbeit konnte man sich das Gerät vorführen lassen und wurde noch am selben Tag nach Hause gefahren und dort optimal eingestellt.
    Preis: 4.100.- Mark boah!
    Bis zur wende lief das Gerät und war nicht einmal defekt. Nur die Konvergenz musste mal nachjustiert werden.

    Kleine Geschichte...
     
  6. P800

    P800 Platin Member

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    Ich hatte meinen ersten 1977 (3500 Mark ohne PAL) gekauft.
    Per Zeitungsinserat (Funkamateur) wurden die Original-Nachrüst-PAL Bausteine angeboten (600 Mark), der dann nur eingesteckt werden musste.
    Die eingesetze Bildröhre war sowjetischer Bauart, und unter aller Sau.
    Die Konvergenz war beinahe unbeherrschbar, so dass ich mir 1980 den ersten Colortron mit französischer Inline Bildröhre kaufte.
    Dieses Gerät lief dann bis 1995 ohne Ausfälle, und wurde von einem Grundig ersetzt.

    <small>[ 12. Mai 2004, 10:20: Beitrag editiert von: P800 ]</small>
     
  7. Scholli

    Scholli Wasserfall

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    Ich hatte mir schon 1973 von meiner "Westtante" einen Pal-Dekoder an eine Adresse in die CSSR schicken lassen. Aber auch der Transport über die tschechische Grenze war damals noch sehr riskant. Der Einbau war auch nicht so, wie hier eben gesagt, auf einem Steckplatz möglich. Zu diesem Zeitpunkt galt generell noch, daß es gar nicht möglich ist, den Color20 mit einem Paldekoder nachzurüsten. Über fünf Ecken kam ich an einen Mann ran, der mir das Ding zumindest elektrisch richtig einbaute, aber da hatte ich noch lange keine richtigen Farben. Die Farbe saß auch mindestens ein Zentimeter neben dem SW-Bild. Zum Glück war da eine zylinderförmige, 20cm(!)lange Verzögerungsleitung, die aus einem wohl kilometerlangen Kupferdrähtchen bestand. Ich weiß noch wie ich in einer langen Nachtschicht Wicklung um Wicklung entfernte, bis die Bildverzögerung der Palfarbe angepasst war. Am nächsten Morgen gab es großen Krach mit meiner Frau, weil noch viele feine Küpferdrähtchen im Teppich, und zu allem Unglück auch noch in ihrer großen Zehe, steckten. Aber wir hatten Westfernsehen in Farbe !!!!!
     
  8. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    @Scholli, nach dieser Manipulation dürftest Du doch dann Schwierigkeiten mit dem SECAM-Bild gehabt haben. Die Verzögerungsleitung diente ja der Zwichenspeicherung des nächsten Farbdifferenzsignales. Denn zur Decodierung wird bei SECAM die jeweils nächste Zeile zwischengespeichert? Oder meinst Du was anders?
     
  9. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    @P800,
    die Schwierigkeiten mit der Konvergenz und Farbreinheit der sowjetischen Röhren kann ich bestätigen. Allerdings hat das auch Systembedingte Ursachen. Die Röhre stammte prinzipiell aus der Entwicklung in den 60er Jahren. Mit der Lochmaskenröhre startete überall das Farbfernsehen. Durch die Deltaanordnung der Strahlkanonen im Röhrenhals konnte nur mit großem Aufwand die Deckung der Grundfarben erfolgen. An den Ecken und Rändern gelang das dennoch nicht richtig. Deshalb ging man auch zur Inline-Röhre über. Dort lagen die Kanonen nebeneinander und die Deckung war einfacher.
     
  10. Scholli

    Scholli Wasserfall

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    Eike, Du hast natürlich recht. Also muß ich die Geschichte noch zu Ende erzählen: Natürlich saß jetzt die Farbe bei Secam in entgegengesetzter Richtung völlig daneben. Da ich aber von dem abgewickelten Draht nur noch lauter Stücke rumliegen hatte, mußte eine neue Verzögerungsleitung her, die ich dann wahlweise wieder zu schaltete. Bloß woher kriegen? Es gab für mich nur eine Adresse in Halle in der Ullrichstr. Meine Frau war eine Fleischerstochter und für einen Beutel Hausschlachtewurst bekam ich dort eine niegelnagelneue Verzögerungsleitung. An der Gehäuseseite des Color befand sich sowieso schon ein riesengroßer Kippschalter zum Umschalten auf den Paldekoder. Der übernahm dann auch noch sehr erfolgreich das Umschalten der Verzögerungsleitung.
    Waren wir nicht erfinderisch? Dieses Basteln fehlt mir heute ein bißchen.
    So jetzt wird aber Dr.Dish geguckt...
     

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