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Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

Dieses Thema im Forum "Politik" wurde erstellt von gabbiano, 11. Oktober 2005.

  1. gabbiano

    gabbiano Junior Member

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    Die Regionalzeitung "Badische Neueste Nachrichten" stellt eine zuvor fristlos gekündigte Redakteurin nach Kritik bundesweiter Medien wieder ein. Die Journalistin hatte einen kritischen Bericht über einen der größten Anzeigenkunden des Blattes geschrieben.

    Karlsruhe - Die Rücknahme der Kündigung und die Wiedereinstellung sei jetzt "nur noch eine Formsache", sagte der Chefredakteur und Herausgeber der "Badischen Neuesten Nachrichten" ("BNN"), Klaus Michael Baur, der Nachrichtenagentur ddp. Zuvor hatten Medien bundesweit über den Fall berichtet.

    "Es wird ein Vergleich angestrebt zwischen beiden Seiten", erläuterte Baur. Die überraschende Wendung begründete er damit, dass die seit elf Jahren bei den "BNN" tätige Redakteurin "journalistische Fehler eingeräumt" habe. Nun solle lediglich eine Abmahnung ausgesprochen werden. Es habe "eine Neubesinnung auf beiden Seiten" gegeben. "Man kann immer dazulernen", sagte Baur. Die Regionalzeitung erscheint im Raum Karlsruhe mit einer Auflage von 150.000.

    Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte die Kündigung vom 5. September als "rechtswidrig" bezeichnet. Der baden-württembergische DJV-Vorsitzende Karl Geibel sprach von einem "ungeheuerlichen Vorgang" und der "Selbstaufgabe der Pressefreiheit durch ein Unternehmen". Die "BNN" sei "wirtschaftlichem Druck" gefolgt. Lidl ist ein großer Anzeigenkunde der BNN, der jährlich Annoncen im Wert von bis zu 1,4 Millionen Euro schaltet.

    Baur sagte, es habe zwar nach dem Artikel eine "Unmutsbekundung von Lidl" gegeben. Der Discounter habe aber die Zeitung nicht erpresst, die 38-jährige Redakteurin zu entlassen. "Es hat nie eine Einflussnahme von Lidl auf die Berichterstattung und nie Druck wirtschaftlicher Art gegeben", betonte Baur.

    In dem Ende August erschienenen Artikel mit der Überschrift "Handarbeit bei bis zu 24 Grad minus" berichtete die Journalistin über das Lidl-Zentrallager im baden-württembergischen Bietigheim. Dabei schilderte sie die Arbeitsbedingungen im Kühlhaus des Discounters sowie die hohe Fluktuation unter den Beschäftigten. Sie zitierte das "Schwarzbuch Lidl" der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, in dem Lidl die gezielte Verhinderung von Betriebsratsgründungen vorgeworfen wird.

    Die Journalistin gab aber zugleich die bei einer Pressekonferenz gemachten Aussagen des Lidl-Betriebsrats im Zentrallager wieder, wonach die Beschäftigten "voll nach Tarif bezahlt" würden. In der Unterzeile des Artikels hieß es: "Lidl-Betriebsrat im Zentrallager wendet sich gegen Kritik an schlechten Arbeitsbedingungen". Aus Sicht des DJV war der Bericht "kritisch, aber nicht tendenziös".

    "BNN"-Chefredakteur Baur sah dies anders. Wenn sich der Lidl-Betriebsrat - wie hier - vor die Lidl-Geschäftsführung stelle, dürfe dies "nicht zur Nebensache erklärt" und mit "sattsam bekannten Vorwürfen" gegen Lidl entwertet werden. Dies sei "keine korrekte journalistische Darstellung", hatte er die fristlose Kündigung begründet. "BNN"-Betriebsrat Ralf Kattwinkel sagte, die Leitung der Zeitung habe "völlig überzogen reagiert".

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,379096,00.html


    So langsam mache ich mir wirklich Gedanken über unsere "freien Medien". Wenn die Zeitung nicht von Lidl abhängig wäre, dann hätte es die Kündigung bestimmt nicht gegeben. Wer weiß, welche Informationen uns sonst noch in ähnlichen Situationen vorenthalten werden ...
     
  2. IGLDE

    IGLDE Talk-König

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Du bist aber ziemlich spät aufgewacht. Ohne Werbekunden kann keine Zeitung überleben. Deswegen lese ich auch keine Testberichte in PC oder anderen Zeitschriften mehr.

    bye Opa :winken:
     
  3. Premier4All

    Premier4All DF-Experte Premium

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Wenn jemand eine Zeitung weiß die noch wirklich neutral berichten kann ohne Wenn und aber dann bitte eilig melden ......
    Ich denke die gibt es sowieso nicht! also nicht immer alles glauben was in diesen Käseblättern steht sondern eigene Meinung bilden.
     
  4. BlackWolf

    BlackWolf Wasserfall

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Naja die BNN ist eh ein Stampfblatt sonders gleichen. Geht schon los, dass der Austräger hier sämtliche andere Post aus den Briefkästen auf die Straße schmeisst, nur damit seine dabbiche BNN reinpasst. Mehrmals beschwert, mehrmals erfolglos.

    Und selbst wenn die jetzt wieder eingestellt wird - glaubt jemand, dass diese Frau noch ernsthaft ne Chance in dem Laden hat? Die kriegt doch nie wieder brisante Artikel zugewiesen.
     
  5. Gag Halfrunt

    Gag Halfrunt Lexikon

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Also ich hab einen Teil meiner Ausbildung beim DJV unter dem o.g. genannten Karl Geibel damals in Stuttgart genossen. Der ist, was die journalistischen Prinzipien angeht, sehr streng. Und das ist auch gut so! Ich hab damals viel gelernt -- und mich prompt auch etwas später in die Nesseln gesetzt.

    Ich hab 'ne Multimedia-CD von Mercedes Benz, die in unserer Zeitschrift kurz vorgestellt wurde (damals waren Multimedia-CDs noch was besonderes!), nicht ganz so gut bewertet, weil der Inhalt mehr durchschnittlich war.
    Nach Erscheinen des Hefts bekam ich dann in der Redaktion Besuch von unserer Prokuristin (ein ziemlicher Drache) und habe mir auch "Geschäftsschädigung" vorwerfen lassen müssen, weil parallel ein großer Anzeigendeal mit Daimler-Benz in einem anderen Heft des Verlags lief. Zum Glück war ich damals aber noch in der Ausbildung, so dass ich da nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte.

    Etwas später ist mir nochmal sowas passiert: Da hab ich den tollen "3D-Wohndesigner" von Data Becker verrissen, weil das Programm einfach ein Witz in Tüten war. Mein Fazit, dass sich die Software gerade mal dazu eignen würde, streng rechtwinklige Plattenbauten einzurichten, und eben gerade die baulichen "Problemzonen" (Dachschrägen, etc.) sich gar nicht abbilden ließen, wurde vom Chefred nachträglich gestrichen. Begründung: Data Becker sei einer unserer besten Werbekunden.

    Willkommen in der Realität. Da hätte ich gerne Karl "Charlie" Geibel an meiner Seite gehabt *seufz*

    Von einer großen, deutschen Computerfachzeitschrift, die aus einem niedersächsischen Verlagshaus stammt, weiß ich zumindest, dass da der Chefredakteur sich vehement für diese Trennung zwischen Redaktion und Werbung einsetzt.
    Zwar werden da auch Deals mit großen Firmen gemacht, aber eben auf einer ganz anderen Ebene. Wenn z.B. auf 'ner Heft-CD Vollversionen von Programmen erscheinen, dann auch nur, wenn die Redaktion sie auch empfehlen kann.
    Hier findet eine faire, aber ehrliche Berichterstattung statt. Testberichte werden in der Regel dem Hersteller vorab zur Einsicht gegeben, damit er sich zu den ggf. erhobenen Vorwürfen äußern kann.

    Wie das bei anderen Zeitschriften in diesem Bereich ist, möchte ich lieber gar nicht wissen.

    Gag
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2005
  6. littlelupo

    littlelupo Guest

    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Tja, Gag Halfrunt, das sind genau die Dinge, die dazu führen, daß Journalismus allgemein kein allzu großes Vertrauen genießen wird... Bzw wie soll sich der Leser auf die Unvoreingenommenheit des Berichterstatters verlassen?
     
  7. Gag Halfrunt

    Gag Halfrunt Lexikon

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Was glaubst Du, warum ich nicht mehr für diesen Verlag arbeite, bei dem das geschilderte vorgefallen ist? ;)
     
  8. gabbiano

    gabbiano Junior Member

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Vielleicht war ich wirklich zu lange gutgläubig und dachte, dass die Medien nur in der DDR manipuliert wurden, hier aber nicht. Man lernt nie aus.
     
  9. Eike

    Eike von Repgow Mitarbeiter

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Das gefährliche ist, daß man die Manipulation heute nicht mal unbedingt merkt!

    Zu DDR-Zeiten wusste man dies und eingeübte Leser konnten durchaus "zwischen den Zeilen lesen". So konnte selbst ein "Neues Deutschland" ein durchaus interessantes Blatt sein wenn man gedanklich "filtern" konnte.
    Und es gab durchaus Blätter die ein Nischendasein führten und relativ unbeeinflusst waren. Wer erinnert sich nicht an die "Wochenpost"?
    Ich weiß heute sogar aus zuverlässiger Quelle das Journallisten recht stark Instruktionen bekommen. So in der Magdeburger Volksstimme. Wenn die nicht einen ordentlichen Regioanlteil hätten, würde ich gar keine Zeitung mehr abonnieren.
     
  10. SchwarzerLord

    SchwarzerLord Wasserfall

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    AW: Regionalzeitung stellt Redakteurin wieder ein

    Es ist schwierig, zwischen der Freiheit des Redakteurs und dem Ziel der Zeitschrift/des Verlages, Gewinne zu erzielen, vernünftig abzuwägen. Sicher sollen Berichte unabhängig sein, und nicht die Kommentare gegängelt sein. Andererseits kann ich gut nachvollziehen, daß es eine gewisse Linie auf bei Zeitungen gibt, die von den Chefs vorgegeben werden. Und daß man dann bestimmte Kunden nicht verprellen will, ist auch irgendwie verständlich. Zumal ja dann Gerichte und Konkurrenzblätter dafür sorgen, daß solche Themen dann doch ans Tageslicht gelangen.
     

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