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Kinokritik: Coming In

Dieses Thema im Forum "Kinonews" wurde erstellt von Eike, 31. Oktober 2014.

  1. Eike

    Eike von Repgow

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    "Coming In": Die gescheiterte Komödie

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    Eine gar nicht mal schlechte Idee gegen identitäres Schubladendenken kommt über dumme Klischees nicht hinaus: Starfigaro Tom (Kostja Ullmann) verknallt sich in die Neuköllner Kiez-Friseuse Heidi (Aylin Tezel). Überplump, ironiefrei und homophob: Marco Kreuzpaintners Film über einen schwulen Friseur, der sich in eine Frau verliebt, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen.

    Von Michael Thiele

    Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist Promi-Friseur mit weiträumigem Luxussalon am Gendarmenmarkt in Berlin, Robert (Ken Duken) sein Lebensgefährte und Geschäftspartner. Groß ist der Medienrummel, als Tom, der schon lange nicht mehr selbst schneidet, sein erstes Männershampoo präsentiert. Doch die beteiligte Kosmetikfirma will mehr – ein Shampoo für die Frau.

    Zu Recherchezwecken begibt sich Tom inkognito in den abgefuckten Neuköllner Hinterhofsalon von Heidi (Aylin Tetzel). Hier soll er – mit straßenköterblonder Perücke und rotem Fußballtrikot und damit offensichtlich hetero – herausfinden, was Frauen wollen.

    Auch weil Robert und er sich entfremdet haben, verliebt er sich dabei in Heidi – was in Toms "schriller" Clique um die alte Supertunte (August Zirner) und die junge Supertunte (Hanno Koffler) und den Macher von Deutschlands größtem Homo-Blatt "andersrum" zu einem entsetzten Aufschrei führt. Panisch versuchen sie, ihn zu kurieren, indem sie ihm einen Heten-Porno vorspielen. Und auch Heidis Freundinnen sind irritiert, als sie von ihren Gefühlen für Tom erfahren.


    "Coming In" reißt Gräben auf anstatt sie zu schließen

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    Wie kann so etwas passieren, möchte man Marco Kreuzpaintner schockiert zurufen. Wie kann ein vielversprechender, schwuler Autor und Regisseur so einen unglaublichen Unsinn produzieren? Wie kann es sein, dass an "Coming In" nichts stimmt? Wobei dieser Film es noch nicht mal wert ist, dass man sich kluge Gedanken über einen Verriss macht, weil er unter seiner plump konstruierten Story und mit seiner plastikhaft-biederen Ästhetik eines sogenannten Sat1-FilmFilms keinerlei intellektuelle Reibungsfläche bietet.

    "Coming In" reißt Gräben auf zwischen Mann und Frau, Homo und Hetero, Arm und Reich, Jung und Alt, obwohl er vorgibt, sie zu schließen. "Coming In" ist dumm, weil er sich nach jeder noch so billigen Pointe bückt, die zu Recht schon am Boden liegt. "Coming In" ist homophob, weil er Schwulsein nicht ernst nimmt, sondern als einen "schrillen" Lebensentwurf darstellt, aus dem es nur zwei Auswegsmöglichkeiten gibt: Entweder man heiratet und gibt seiner Beziehung damit eine bürgerliche, heteronormative Legitimation (siehe die alte Tunte und ihr Partner), oder man merkt, dass man ja eigentlich hetero ist (siehe Tom). Dass man einfach nur schwul und frei und glücklich sein kann, ist im Drehbuch nicht vorgesehen.

    Den Figuren in "Coming In" glaubt man nicht. Zwischen Robert und Tom etwa herrscht null Energie, als wären sie zwei Fremde, selbst in der gemeinsamen Duschszene. Mehr noch, sämtliche Figuren wirken wie grenzdebil ferngesteuert durch das Drehbuch, das vielleicht auf einer gar nicht mal so schlechten Idee basiert – nämlich dem identitären Schubladendenken und wie man es überwinden kann -, diese aber ins Lächerliche zieht. Entsetzlich sind die unzähligen Männer-sind-so-und Frauen-so-Dialoge, durch die sich Tom und Heidi völlig ironiefrei kämpfen.

    Gut, Mavie Hörbiger hat als Heidis Busenfreundin ein, zwei deftige Szenen, Andreja Schneider glänzt als russisch-dralle Salonkundin. Und Katja Riemann spielt die sehr überschaubare Rolle der Salonchefin Berta angenehm dezent – beinahe so, als würde sie sich vom restlichen Film am liebsten distanzieren wollen. Aber sonst? Es gibt keinen Charakter, dem man eben diesen Charakter abnimmt.
    Schwule sind schick, Heteros lieben Fußball

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    Man könnte argumentieren, dass es sich bei "Coming In" um eine Komödie handelt. Ein Genre also, in dem Figuren übertrieben und Handlungsstränge zugespitzt werden. Aber wenn diese Zuspitzung darin besteht, dass man als Mann – siehe Filmplakat – nur hetero, hässlich und Fußballfan sein kann oder homo, schick und Friseur, dann ist das weder reflektiert noch lustig. Eine gute Komödie zeichnet aber genau das aus. Mit anderen Worten: Wie realistisch oder gar witzig ist es, dass sich ein – Pardon! – stockschwuler Friseur, der sich in einer der ersten Szenen des Films noch nicht mal gemeinsam mit vier Frauen auf eine Bühne traut, am Ende sein Coming-out als Hete hat?

    Genauso furchtbar wie der Film ist übrigens das Szenario, das sich nach seinem Kinostart mit großer Wahrscheinlichkeit abspielen wird: Die Hetero-Medien werden "Coming In" mehrheitlich loben, das Hetero-Publikum wird in den Film rennen und sich herrlich amüsieren, ungefähr so wie damals bei "(T)Raumschiff Surprise: Periode 1", in welchem bekanntermaßen nicht mit Schwulen, sondern über Schwule gelacht wurde.

    Beide werden nicht verstehen (wollen), warum viele Schwule diesen Film nicht toll finden und sowieso immer was zu meckern haben, anstatt dass wir uns freuen, dass es mal einen so schönen Film über uns gibt. Und am Ende bekommt Kostja Ullmann noch irgendeinen deutschen Filmpreis zugesprochen, weil er ja so mutig war, diese vermeintlich schwierige, progressive Rolle zu übernehmen…


    Anmerkung von Eike:


    Ich kann mich der Kinokritik von queer.de nur anschließen nach meinem gestrigen Kinobesuch.


    Da Film ist inhaltlich und schauspielerisch ein plumpes Machwerk.
    Im Kern Homophob und auf die Lachlogik eines Heterosexuellen zugeschnitten.
    Selten so etwas blödes gesehen.


    Das das Kreuzpaitner (selbst offen schwul) so passieren konnte, ist mir völlig unverständlich.
    Immerhin hat er schon wunderbare Filme gedreht zum Thema wie: "Sommersturm".


    Dieser Film jedenfalls hat irgendwie die Botschaft: Schwuler, streng Dich an, dann wirst auch Du Hetero.


    0/10 Pkt
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2014
  2. suniboy

    suniboy Talk-König

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    AW: Kinokritik: Coming In

    Zero Points for ........Gay? Aus dir wird noch was. :D



    Aber im Ernst. Was erwartest du denn von solchen Filmen, die in Heterokinos laufen? Nicht mal wir finden die lustig. :cool:
     
  3. Sky-Kunde2

    Sky-Kunde2 Guest

    AW: Kinokritik: Coming In

    Ehrlich gesagt hat mich schon die Story abgeschreckt, weil ich sie ziemlich hanebüchen fand.
     
  4. suniboy

    suniboy Talk-König

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    AW: Kinokritik: Coming In

    Aus Deutschland kommen nur solche Geschichten. Philadelphia war da eine ganz andere Nummer...;)
     
  5. Eike

    Eike von Repgow

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    AW: Kinokritik: Coming In

    Der beste Film zum Thema, in meinen Augen, war der DEFA-Film Coming Out.

    http://www.youtube.com/watch?v=DykM_EPZdfM

    Ein Film der noch von Herger abgesegnet werden musste,... Erschiene ist er zwar planmäßig - aber da war schon die Wende.

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    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2014
  6. suniboy

    suniboy Talk-König

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    AW: Kinokritik: Coming In

    Ich habe zwar mit Deutschland die letzten 20-25 Jahre gemeint, aber Coming Out ist auf jeden Fall kein Kitsch oder Abklatsch einer anderen Geschichte. Der Film ist zwar nicht schlecht, aber ob er auch der beste sein soll -sei mal dahingestellt.;)
     
  7. Robert Schlabbach

    Robert Schlabbach Talk-König

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    AW: Kinokritik: Coming In

    Ich bin verwirrt. Ein gleichnamiger Film lief doch schon vor Jahren im Fernsehen und hatte genau die gleiche schlechte Umsetzung:

    Coming In (TV Movie 1997) - IMDb

    Warum bereitet man ausgerechnet eine schon mal gescheiterte Geschichte neu auf? Und dazu auch noch 2x in Deutschland.

    Die einzige halbwegs amüsante Szene der alten Verfilmung war die "Albtraumszene", wo der Hauptdarsteller sich das Leben als Hetero vorstellte: Fett und ungepflegt mit den Kumpels fussballguckend auf dem Sofa vor dem Fernseher, mit einer ebenso ungepflegten stets meckernden Frau und nervenden Kindern. Ansonsten Enttäuschung pur. Und das scheint bei der Neuverfilmung übernommen worden zu sein.
     

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