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Im Labyrinth des Schweigens

Dieses Thema im Forum "Blu-ray/DVD" wurde erstellt von Hoffi67, 15. Mai 2015.

  1. Hoffi67

    Hoffi67 Moderator

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    INHALT: Deutschland, Ende der 50er Jahre: Die Wirtschaft brummt, den Menschen geht es wieder gut und die Geschehnisse, die keine zwanzig Jahre zurückliegen, geraten langsam aber sicher in willkommene Vergessenheit. Eines Tages sorgt jedoch der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) am Frankfurter Gericht für Aufruhr, als er einen ehemaligen Auschwitz-Wärter anzeigen will, den ein Freund auf einem Schulhof identifiziert hat und der jetzt als Lehrer offenbar unbehelligt durchs Lebens gehen kann. Der Journalist stößt mit seiner Forderung jedoch auf Ablehnung. Nur der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) schenkt ihm Gehör und will die Vorgänge aufklären. Rückendeckung erhält er dabei vom Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss), der ihm die Leitung der Ermittlungen überträgt. Radmann versinkt völlig in dem Fall und vernachlässigt darüber sein Privatleben. Selbst Marlene (Friederike Becht), die er gerade erst kennengelernt hat, vermag nicht auf ihn einzuwirken. Immer weiter schottet sich der junge Anwalt von seiner Umwelt ab um das Labyrinth aus Verleugnung und Verdrängung aufzuarbeiten und ein Exempel zu statuieren.


    MEINE KRITIK:
    Ich musste den Film erstmal sacken lassen. Er hat mich doch sehr bewegt und beschäftigt. Im Labyrinth des Schweigens, ist ein anspruchsvolles, deutsches Politdrama über ein dunkles, wichtiges Kapitel bundesdeutscher Nachkriegszeit. Regisseur Giulio Ricciarelli, gelingt ohne das Grauen in bewegten Bildern zu zeigen, nur mit den Gesten und geschundenen Seelen der Gesichtern der Opfer ein wunderbarer Spagat, zwischen der Aufarbeitung von Auschwitz und der kunterbunten Pettycoat Welt der jungen Bundesrepublik Deutschland. Der Cast ist hervorragend, vor allem Alexander Feeling besticht in seiner Rolle als Anfangs blauäugiger und realitätsferner Anwalt, der nach und nach in ein Wespennest sticht und damit eine Lawine auslöst. Dem Regisseur ist es zudem hervorragend gelungen, in eine Welt einzutauchen, in eine Welt voller Lügen, Schweigen und Unwissen. Das gravierende und bestürzende ist für mich vor allem, wie blind die Menschen damals waren. Der größte Teil konnte mit Auschwitz nichts anfangen, ein weiterer Teil sprach von Geschichten aus der Fabelwelt, bis die ganze Nazi Barberei schließlich ans Licht kam. Ganze 19 KZ Aufseher von Auschwitz wurden damals verhaftet und verurteilt, Tausende waren dort an der Vernichtung der Juden beteiligt. Sehr bestürzend zeigt der Film leider auch, daß Monster in Menschengestalt wie Dr. Joseph Mengele entkommen konnten, durch die Unfähigkeit der Behörden, des Systems gerade in Deutschland und man war kurz davor die Bestie einzufangen. Aber er ist leider ein Beispiel für viele diese hohen Nazis, sie lebten geschützt irgendwo auf der Welt und starben im Alter. Das ist eigentlich die größte Barberei. Der Film zeigt aber auch, daß es einzelne Menschen gab, die die Wahrheit unter allen Umständen ans Licht bringen wollten und das ist dann auch der Grund, warum so ein wichtiger, leider auch sehr realer Film gedreht werden konnte! Junges deutsches Kino und doch so erwachsen. Chapeau Herr Ricciarelli. 8/10


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  2. seagal1

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    AW: Im Labyrinth des Schweigens

    Ein definitiv anspruchsvolles Stück deutscher Geschichte. Erneut wird darauf aufmerksam gemacht, dass nur sehr wenige Menschen Interesse haben, Unbequemes aufzudecken und Schuldige vor Gericht zu stellen. Es herrscht das Motto Verdrängung und Vertuschung. Ein engagierter Jungstaatsanwalt bekommt die Chance, die bereits abgehakten Verbrechen in Auschwitz aufzurollen und die Verantwortlichen zu verhaften. Rückenhalt erhält er, entgegen aller anderen seiner Kollegen, vom Generalstaatsanwalt. Dieser unterstützt ihn in seinem Vorhaben und baut ihn immer wieder seelisch und moralisch auf. Erschreckend ist aber auch zu sehen, dass die Politik der Bundesrepublik überhaupt kein Interesse hatte, die dunkle Geschichte aufzuarbeiten, obwohl das Grauen gerade einmal 13 Jahre zurück lag. Noch schlimmer: sie deckte sogar die für das Morden Verantwortlichen. Dies wird in diesem Film sehr deutlich gemacht. Auch wird die Frage aufgeworfen, wie viele sich noch schuldig gemacht haben und hier wird auch der eifrige Jungstaatsanwalt Radmann von der Realität eingeholt, als er erfährt, dass sein Vater Mitglied der NSDAP war. Schauspielerisch toll besetztes Zeitdokument, wobei sich Alexander Fehling als Staatsanwalt Johann Radmann und Gert Voss als Generalstaatsanwalt Fritz Bauer besonders hervorheben. Ein wenig zu viel aufgetragen fand ich die Szene, als sich Radmann und sein Freund der Journalist Thomas Gnielka vor dem Auschwitzlager die Kippa aufsetzen und auf Hebräisch beten.

    Fazit: Fesselndes, dialogstarkes deutsches Zeitdokument, das in keiner Minute langweilt und zum Nichtvergessen aufruft. Von gibt's hierfür sehr gute 7/10 Punkte.
     

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