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Frankfurter Rundschau über 9 Live

Dieses Thema im Forum "ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Co. - alles über Free TV" wurde erstellt von MarkusM, 26. August 2005.

  1. MarkusM

    MarkusM Guest

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    Lele, Lala, Lulu, Lolo

    Vor zehn Jahren ging tm3 unter dem Etikett "Frauensender" an den Start -Nachfolger 9Live wurde zur Goldgrube

    VON JAN FREITAG


    Transaktionsfernsehen, das hat doch Klang. Mitmachfernsehen moduliert zwar profaner, doch keineswegs nachteilig fürs Produkt. Schließlich sind Aufforderungen zur Teilnahme positiv besetzt. Und Begriffe wie "Telefonische Mehrwertdienste", "Interactivision", "T-Commerce" oder "Call-in" wirken vielleicht sperrig, sorgen aber für Eindruck. Anglizismen, Wertplus, Interaktivität - so macht man im Marketing Punkte. Was man von "Frauenfernsehen" nicht wirklich behaupten kann.

    Exakt zehn Jahre ist es heute her, dass die Telemünchen Group (TMG) des Filmhändlers Herbert Kloiber gemeinsam mit dem Hamburger Heinrich Bauer Verlag unter dieser Chiffre auf Sendung gingen. Der offizielle Name lautete tm3, ein Sender, konzipiert für den doppelten x-Chromosomensatz und seine vermeintlichen Leidenschaften Reise, Rätsel, Haushalt, Alltagstipps. Eine Art Freizeitrevue für den Bildschirm. Und ein berechenbares Konzept im Land der 1000 Frauenmagazine, aus Sicht der Medienwächter gar ein förderungstaugliches und daher würdig für einen Kanal mit großer Reichweite. Alles vergebens. Fast auf den Tag genau sechs Jahre und eine fußballerische Sensation später war es wieder aus mit einem der sonderbarsten Fernsehangebote der Republik.

    Vom Frauensender über den exklusiven Europapokal-Anbieter bis 9Live, dem ersten Quizkanal im Land: Kein anderes Programm hat in so kurzer Zeit solch einen Wandel erlebt wie tm3. Was genau ein Frauensender ist, wurde nie abschließend geklärt; dass er dies nach der Übernahme durch den Medienmogul Rupert Murdoch 1999, der tm3 mit 850 Millionen Mark für vier Jahre Champions-League neu ausrichten wollte, nicht mehr sein konnte, war da schon klarer.

    Dass der Rückweg nach dem Rechteverkauf an RTL eine Saison später verbaut war, erst recht. Und für eine neue Lizenz hätte es einer Neuausrichtung bedurft. "Vielleicht als Frauenfußballsender", spottete die Berliner Zeitung. Doch der Antrag blieb aus, angeblich, weil der kaufbereite Leo Kirch für sein Projekt N24 scharf auf den freien Kanalplatz war. Im Jahr drauf folgte jedenfalls die Umbenennung in 9Live, heute würde tm3 seinen 10. Geburtstag begießen, und man muss froh sein, dass die Feier ausbleibt.

    Sie wäre eher Ballermann 6 als Ballsaal, keine Frage. "Jetzt aber mal zack zack anrufen hier und schnell mal eben die Kohle einsacken jetzt", so klingt es, wenn die 9Live-Moderatoren aus der Riege einstiger Big-Brother-Container-Bewohner dazu auffordern, 49 Cent Telefongebühr in eine geringe Gewinnchance auf blöde Fragen mit vagen Gewinnen zu stecken.


    Die so oft vergebliche Hoffnung der Anrufer auf ein Freizeichen

    "Monikas Vater hat fünf Töchter: Lele, Lala, Lulu, Lolo…", die junge Animateurin der Quizeinheit 9Live Feierabend radebrecht in die Kamera, was im Bildschirm stets links von ihr steht. "Wie heißt die 5. Tochter?" Im Off erklingen Pieptöne, sie flüstert verschwörerisch, was das denn zu bedeuten habe und wiederholt den Satz - kann Spannung größer sein? - in einem fort. "Elf Geldpakete" gibt für die richtige Antwort auf die Frage zu gewinnen. Das kann recht wenig sein für den Einsatz einiger Dutzend Anrufe, den die Hoffnung auf das Freizeichen erfordert. Dafür scheint die Frage selbst für Idioten leicht zu beantworten.

    Das ist nicht immer so. Seit Jahren beschäftigen sich Gerichte mit Klagen, bei den mal unsinnigen, mal unlösbaren Quizfragen handle es sich um verbotenes Glücksspiel. Zuletzt urteilte das Landgericht Freiburg im Mai, der Preis eines Anrufs mit der Vorwahl 01379 in Portohöhe sei schlicht zu niedrig für juristische Bedenken. Kurz zuvor hatte das LG München dem Sender gestattet, zwei allzu erfolgreiche Zocker vom Spielen ausschließen und einen Teil der Gewinne einbehalten zu dürfen. Und Bayerns Landeszentrale für neue Medien wird nicht müde zu betonen, es werde ja niemand gezwungen anzurufen. Als ob es so etwas wie Spielsucht nicht gäbe.

    Denn unzählige Rätseljunkies hängen unentwegt an der Strippe. Mehr als 100 Millionen Anrufe gehen jährlich ein. Eine Million Euro wird angeblich pro Monat an mehrere Tausend Gewinner ausgeschüttet. So hat sich 9Live 2002 von Werbeeinnahmen unabhängig gerätselt - und das bei einem Marktanteil unter 0,5 Prozent. "Was für andere die Quote, ist für uns die Zahl der Anrufer", erklärt Sprecherin Sylke Zeidler das Missverhältnis.

    Ein Jahr nach dem Start hat Senderchefin Christiane zu Salm stolz den Turnaround verkündet: "Wir haben tm3 in tiefroten Zahlen übernommen und als 9Live völlig neu positioniert." Ein rekordverdächtig rasches Erreichen der Gewinnzone. Im Vorjahr wurde die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro geknackt - zweistellige Wachstumsraten sind die Regel bei der 9Live-Betreiberin Euvia Media, die vor einigen Wochen von der ProSieben-Sat1 Media übernommen wurde und mit dem Reisesender sonnnenklar.tv einen weiteren profitablen Mitmach-Kanal unterhält.

    Da wächst zusammen, was zusammengehört. Denn mit 9Live holt sich Axel Springer nun den Wegbereiter des televisionären Wachstumssegments schlechthin ins Haus. Die Ehe des wahren Unterschichtenfernsehen mit der Mutter aller Boulevardblätter spiegelt sich auch gleich in der ersten Werbekampagne für 9Live. Unter dem Motto "Schlau gewinnt" geben Bankkunden bei den Brudersendern am Geldautomaten Rätsellösungen statt Geheimzahlen ein. Und die Anzeigenserie aus der Agentur Goldammer in Bild bedient sich (natürlich) so genannter Response-Elemente - 500 Euro Gewinn per Hotline als Anreiz zum Einstieg in die Welt des Fernsehdauerratens. ProSiebenSat1-Sprecherin Katja Pichler versichert, dass 9Live zur "deutlichen Steigerung des Umsatzes und des Ergebnisses der Gruppe beitragen wird". Auch Friede Springer sieht kalkulierbare Gewinnsprünge des Neuerwerbs sicher mit Freude.

    Denn das Konzept TV-basierter Mehrwertdienste hat Zukunft. Nach einer Studie der Medienberater GoldMedia wird der Umsatz bis 2008 um jährlich 15 Prozent auf fast 800 Millionen Euro wachsen. Zugleich steigt der Anteil an Sendungen mit kostenpflichtigen Telefonnummern - von Umfragen über Voting bis zu Gewinnspielen.

    Schon 2004 schaltete Pro Sieben in jeder vierten Sendung Call-Ins, beim ZDF waren es 15 Prozent. Einer der großen Profiteure: 9Live, das für Sat1, ProSieben und Kabel 1 seit längerem mitproduziert. Bis 2007, prognostiziert GoldMedia, werden die Sender ihre T-Commerce-Umsätze von PayTV über TV-Shopping bis Tele-Voting und Rätselspiele auf 4,3 Milliarden Euro erhöhen und damit mehr als verdoppeln.

    Das alles war 1977, als der TED im deutschen Wohnzimmer Einzug hielt, nicht absehbar. Und auch nicht im Frühjahr 2001, als sich tm3 langsam auf sein künftiges Aufgabenfeld vorbereitete - mit totaler Verglücksspielung, Schlüpfrigem zur Nacht, einer semi-berühmten Andrea Sokol und dem "schmierigen Etagenkellner" Michael Koslar an der Popularitätsfront. Gutes Fernsehen war das nie, schlechteres als jetzt aber auch nicht. Jede Wette.


    http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=716268
     
  2. solid2000

    solid2000 Lexikon

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    Dampfmaschine
    AW: Frankfurter Rundschau über 9 Live

    Ja Call-In ist das Letzte! :winken:
     
  3. CharlyChan

    CharlyChan Senior Member

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    AW: Frankfurter Rundschau über 9 Live

    Call-In beweist, dass wir von Idioten umzingelt sind.
     
  4. hopper

    hopper Lexikon

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    San Francisco | Sunnyvale
    AW: Frankfurter Rundschau über 9 Live

    Idioten mit Wahlrecht :rolleyes:
     

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