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Die misslungene Toleranzwoche

Dieses Thema im Forum "ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Co. - alles über Free TV" wurde erstellt von Eike, 21. November 2014.

  1. Eike

    Eike von Repgow

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    In dieser Woche gab es in der ARD eine Toleranzwoche die aus meiner Sicht völlig missglückt ist. Schon die Plakatierung wär lächerlich, die Verteilung der Themen ohne Sinn und Verstand und es gab kaum einen roten Faden. Die Krönung war dann noch eine homophobe Talkshow.
    Was übrig blieb, waren ein paar Filme auf die man durch Zufall stoßen konnte, wenn man Glück hatte.
    Immerhin gibt's im ZDF neuerdings eine homosexuelle Nebenrolle bei "Herzensbrecher"- also natürlich in er Pfarrerserie.


    Dazu passend ein Kommentar bei www.queer.de



    [​IMG]
    In der ARD-Themenwoche zur Toleranz wurde derart viel falsch gemacht, dass nun ein Ruck durch die Funkhäuser gehen sollte
    Jörg Thadeusz interviewt zur ARD-Toleranzwoche Akif Pirincci und andere Hetzer. Was wie eine schlechte Idee klingt, sollte Schule machen. Abschließende Betrachtungen zu einer umstrittenen Themenwoche.

    Von Norbert Blech

    Zunächst möchte man sich an den Kopf fassen: Als wäre an dieser ARD-Toleranzwoche nicht ohnehin schon so gut wie alles schief gelaufen, wurden nun auch noch ausgerechnet unter dem Vorwand der Toleranz die übelsten Intoleranten, die nervigsten Hetzer der Republik über den Äther gelassen.

    Am Mittwoch sprach Jörg Thadeusz auf dem Berliner Radio Eins mit Akif Pirincci, der zurecht lange keinen Auftritt in den Medien mehr genießen konnte, am Donnerstag mit Thilo Sarrazin und heute mit Birgit Kelle – "mit Menschen, die mit ihren Statements für Debatten in der Öffentlichkeit gesorgt haben und mit ihren zugespitzten Meinungen provozieren", wie es auf der Webseite des rbb-Senders heißt.

    Man hat längst genug von all den Provokationen, den echten und den vermeintlichen, mit denen öffentlich-rechtliche Sender andauernd ihre Sendungen anpreisen, als sei das ihr Grundauftrag. Kein Mensch braucht eine Talkshow wie die des hr vom letzten Samstag, die mit größtmöglicher homophober Provokation beworben wurde und in der dann mit Matthias Matussek ein Hetzer gegen Schwule und Muslime gegen eine tolerantere Person diskutierte; keine Betroffene, sondern eine – immerhin engagierte – Vertreterin der evangelischen Kirche.

    Der Moderator hetzte ohne größere eigene Meinung durch eine chaotische Sendung mit fiesen Untertönen, so dass es kaum zu einem tieferen Austausch, einer Widerlegung von Argumenten kam. Am Ende einer solchen Debatte darf sich jeder in seiner Meinung bestätigt fühlen, in diesem Fall also auch in der Intoleranz. Was war das Anliegen der Sendung? Man hat wie so oft keine Ahnung.

    [​IMG] Video: (Direktlink)Der hr suchte am letzten Samstag nach den Grenzen der Toleranz



    Oft liegt der Verdacht der billigen Unterhaltung nahe, spürbar mit der Quote als Ziel, nicht mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung oder gar Aufklärung. Dutzende Talkshows, die auch immer mit dem Vorurteil, nicht mit der Toleranz beworben wurden ("Droht die moralische Umerziehung?", "Homo-Ehe ohne Grenzen?" etc.), haben diesen Verdacht leider immer wieder bestätigt. Und leider sind diese Talkshows auch meist der einzige Ort, an denen ARD oder ZDF sich redaktionell näher mit Themen wie Homophobie oder dem Bildungsplan befassen.

    Diskriminierende Äußerungen hinterfragen

    Dabei ist nicht das Problem, dass Personen wie Matussek oder Pirincci in die Sendungen eingeladen werden, sondern der Umgang mit ihnen. Der oft missverstande Waldschlösschen-Appell von schwulen und lesbischen Journalisten fordert, dass homosexuellenfeindliche Diffamierungen nicht dadurch verharmlost werden, dass man sie als zulässige Meinungsäußerungen legitimiert. Stattdessen müssten solche Aussagen – und der Appell definiert die Grenzen näher – "deutlich als diskriminierende Anfeindungen gekennzeichnet und verurteilt" werden. Nur dann sei es zulässig, Vertreter solcher Aussagen etwa in Talkshows einzuladen.

    Es ist schlicht der Wunsch, dass Sender wieder zu ihren journalistischen Wurzeln zurückkehren, indem sie Sachen einordnen, bewerten, hinterfragen, auch kritisieren, wo es nötig ist. Es geht um Haltung.

    Womit wir bei Jörg Thadeusz wären: Der zeigte Haltung in allen Einzelinterviews. Sarrazin hielt er nachvollziehbar vor, Personen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe mit Merkmalen abzustempeln. Birgit Kelle kritisierte er wegen ihres Frauenbildes. Und Pirincci stellte er als Pöbler dar, der "vor sich hin beleidigt". Das ist schon gut getroffen.

    Oft reichte ihm dabei ein kurzes "Aha" oder ein hörbares Schmunzeln, um das Gegenüber bloßzustellen. Mit mehrmaligen Nachfragen wies Thadeusz zugleich nach, dass der Autor trotz gegenteiliger Beteuerungen Schwule als minderwertig ansieht.

    Und manchmal sprachen die Worte Pirinccis für sich: "Es geht nur um diesen bekloppten Kult der Homosexualität. Ich bin ein absoluter Kämpfer für die Toleranz. (- Aha -) Es geht aber nicht an, dass so eine Monstranz aufgebaut wird um diese Sache. Es geht aber nicht an, dass eine Dauerpropaganda der Andersgeschlechtlichen betrieben wird." Als Pirincci meinte, es gebe keine Homophobie ("außer bei den Moslems"), konterte das Thadeusz gekonnt mit dem Paragrafen 175. So muss es sein: Nicht der Homosexuelle hat sich zu rechtfertigen, sondern der Homophobe.

    Von der Talkshow zum "Hard Talk"

    Angesprochen auf Kritik, er hätte Intoleranten eine Bühne geboten, hatte Thadeusz in einer anderen Sendung geantwortet, es sei keine Bühne, wenn man kritisch nachfrage. Auch berge ein Ignorieren von Personen wie Pirincci die Gefahr, dass diese sich als Opfer, als unterdrückte Meinung darstellen.

    Er verwies auf das BBC-Format "Hard Talk" als Vorbild. Das war ein wenig vermessen; anders als Thadeusz hätte die BBC vermeintliche Fakten aus Sarrazins Buch detailliert in der Luft zerrissen. Dennoch hat Sarrazin das rbb-Studio in kleinerer Größe verlassen, als er es betreten hatte. Pirincci sowieso. Würden Medien solche Populisten öfters derart stellen, hätten diese erheblich weniger Erfolg.

    Man wünschte sich, einen gut vorbereiteten "Hard Talk" gebe es jeden Tag im deutschen Fernsehen. Das kritische Einzelinterview ist leider eine fast vergessene Kunst – und solange Politiker und Populisten zwischen einem solchen Format und einer der zahlreichen haltungslosen Talkrunden auswählen können, würde das wohl auch mangels Gäste so bleiben.

    Kulturwandel nötig

    Es braucht also einen Richtungswechsel in den öffentlich-rechtlichen Anstalten, und leider nicht nur in dieser Frage. Bislang herrscht freilich nicht mal die Einsicht vor, die Toleranzkampagne vergeigt zu haben. Der Moderator der hr-Sendung verteidigt etwa weiter seine Sicht, die Bewerbung der Show wäre ebenso ok gewesen wie seine nicht vorhandene Haltung: Homophobie sei "nicht zwangsläufig menschenverachtend", sagte Meinhard Schmidt-Degenhard im Chat nach der Sendung; Matussek sei "kein unreflektiert hetzender Zeitgenosse", auch er habe Toleranz verdient. "Man kann die Meinungen von Herrn M. als polarisierend, als aggressiv, als ultrakonservativ werten – aber nicht diffamierend." Daher sei es nicht Aufgabe des Moderators, ihm zu widersprechen.

    [​IMG]
    Coming-out in ZDF-Serie "Herzensbrecher": Es braucht mehr Vielfalt im Hauptprogramm.

    Der Koordinator der Kampagne, Hans-Martin Schmidt, lobte sich sogar noch im Interview mit der SZ für die misslungenen Plakate: "Dass die Kampagne provoziert, war gewollt. (…) Wir wollten eine Diskussion, und die haben wir jetzt." Nollendorfblogger Johannes Kram forderte deswegen nicht völlig unschlüssig einen Rücktritt seines Vorgesetzten. Der eigentliche Grund sollte aber eine weitere Äußerung Schmidts sein: "Wir greifen existierende Themen und Debatten auf, beziehen aber mit der Plakatkampagne keine Position, sondern wollen Denkanstöße geben."

    Keine Position zu Toleranz – und damit keine Position zu Intoleranz? Und das nicht mal in einer Toleranzwoche? Hier zeigt sich klar die falsche Denkweise, die in vielen öffentlich-rechtlichen Redaktionen weiterhin vorherrscht. Schuld mag ein viel zu oft zitierter Satz von Hans-Joachim Friedrichs sein, Journalisten sollten sich mit nichts gemein machen. Der hat in vielen Bereichen seine Berechtigung. Aber sicherlich nicht in Fragen von Grundwerten, in Fragen des Grundgesetzes, in der Frage der Akzeptanz – nicht Toleranz – von Minderheiten. Journalisten haben auch Anwälte der Bürger, Anwälte dieser Minderheiten zu sein. Und manchmal tun sie es auch selbstverständlich; hätte die Plakatkampage in dieser Art und Weise Antisemitismus thematisiert, hätte es eine Serie von Rücktritten gegeben.

    Man sollte mit solchen Vergleichen vorsichtig sein und sie nicht als Totschlagargument nutzen; man hat aber den Eindruck, sonst nicht in die Hirne der Fernsehmacher vorzudringen. Es braucht längst nicht mehr eine Diskussion, ob Schwule "normal" oder Migranten eine "Belastung" sind, es braucht eine selbstverständliche Inklusion dieser Gruppen – auf dem Bildschirm und dahinter, und das in allen Bereichen.

    So ist von sexueller Vielfalt in den Hauptprogrammen von ARD und ZDF generell wenig zu spüren, und mancher Schwerpunkt auf Arte oder manche Förderung für Praunheim-Filme in den Dritten machen das nicht wett. Außer in Talkshows, in denen sie sich selbst verteidigen müssen, so zu sein, wie sie sind, tauchen Schwule und Lesben im Hauptprogramm vielleicht noch als Mordopfer im Krimi auf – und dann vor allem als Gelegenheit für die Autoren, mal einen Ermittler verdeckt in Schwulenbars zu schicken. Ach wie frisch und lustig.

    Das ist Gedankenarmut, produziert, so lässt es der Output zumindest vermuten, von den immer gleichen weißen heterosexuellen Männern nach dem gleichen Handbuch. Die selbstverständliche Vielfalt muss bereits bei Autoren einsetzen. Bei Redakteuren und Programmplanern. Und in Fernsehräten, solange man diese nicht endlich abschafft. Es kann nicht sein, dass es mehr Priester und Nonnen in Hauptrollen gibt als Schwule in Nebenrollen (von Lesben und Transsexuellen ganz zu schweigen; und ja, die Priester und Nonnen sind auch nicht homosexuell). Das ZDF bietet derzeit immerhin zwei schwule Nebenrollen an. Eine davon natürlich in einer Serie über einen Priester

    Selbst das wirkt also viel zu ausgewogen. Als führe der Rundfunkstaatsvertrag zu einer absurden Mathematik. Die öffentlich-rechtlichen Programme hätten "in ihren Angeboten die Würde des Menschen zu achten und zu schützen", heißt es darin. Und direkt danach, nur durch ein Semikolon getrennt: "die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten." Auch hier scheint eine zeitgemäße Überarbeitung überfällig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2014
  2. pedi

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    ist zum gück bald zu ende, war absolut und extremst nervend.
     
  3. Ralf2001

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Man kann jedenfalls sagen, dass die grauenhafte Werbekampagne ein realistisches Bild dieses Programms geliefert hat ...
     
  4. Ulti

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Ich höre irgendwie immer nur "Muss, Muss, Muss".

    Toleranz ist wichtig, sollte dann aber von allen Seiten gelten.
     
  5. LHB

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Immer nur am meckern! Wenn die Privaten das gebracht hätten, anstatt die ÖR, dann würde es hier abgefeiert werden!
     
  6. Satsehen

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    das ZDF könnte ja mal eine Toleranzwoche bringen: Zur "Toleranzabweichung bei HDTV - oder wie tolerant kann der Zuschauer sein, dass ihm 5 Jahre nach HDTV-Start Studiosendungen, wie heute/heute-journal in dieser schrecklichen Bildquali gezeigt werden..."
     
  7. arte

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Zu Toleranz gehört auch, dass es toleriert wird, wenn jemand nicht tolerant ist im Bezug auf ein bestimmtes Thema.

    Wenn ich Kinder nervig finde, ist das meine Meinung und hat rein gar nichts mit Intoleranz zu tun, denn wir sind und empfinden alle anders. Man kann sich doch die Ansicht nicht aufzwingen lassen. Warum darf das nicht toleriert werden?
     
  8. LHB

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Dieses Thema hat hier doch jetzt überhauptnichts zu suchen!

    "Ich mach mir die Welt, wiediwiediwie sie mir gefällt!"
     
  9. Ulti

    Ulti Talk-König

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Das ist ja der Knackpunkt, es wird immer Toleranz gefordert aber irgendwie ist man es dann selbst überhaupt nicht.

    Nicht erzogene Kinder sind nervig, das darf man sagen und da muss ich mir auch nicht mit "Kinderhasser" kommen lassen.

    Es sind halt immer die "Guten" die den Heiligenstatus für sich gepachtet haben, und nur sie verkünden den einzig wahren Lebensweg.
     
  10. offenbach

    offenbach Silber Member

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    AW: Die misslungene Toleranzwoche

    Genau, @Eike definiert Toleranz als Einbahnstrasse, die von ihm zitierte Homepage ist selbst höchst intolerant, abweichende Meinungen sind zugespitzt und provozieren. Die Homolobby sollte sich an die eigene Nase fassen.
    Von einer gelungenen Toleranzwoche kann man sicherlich nicht reden.
     

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