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Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

Dieses Thema im Forum "Politik" wurde erstellt von A.W., 16. März 2006.

  1. A.W.

    A.W. Junior Member

    Registriert seit:
    4. November 2004
    Beiträge:
    119
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    Deutschland jammert über den Geburtenrückgang und die Alterung der Bevölkerung. Bestürzt registriert die nationale Erschreckensgemeinschaft alle Szenarien der kollektiven Vergreisung. Dazu gibt es keinen Grund: Die demografische Transformation ist das Ergebnis einer sozialen Erfolgsgeschichte und ermöglicht die Lösung zahlreicher Probleme. Denn Geburtenrückgang verschafft der Gesellschaft mehr Luft und Leistungsraum.

    Die Lage ist hoffnungslos. In Deutschland ist im 20. Jahrhundert die Geburtenzahl pro Frau von 5 Kindern auf durchschnittlich 1,4 Kinder abgesunken. Seit 30 Jahren werden kontinuierlich weniger Menschen geboren im Verhältnis zu denen, die sterben. Und dieses Defizit wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wachsen, da die vor 30 Jahren nicht Geborenen heute als potenzielle Eltern fehlen.

    So die Stimme der Experten. Verstärkt durch publizistische Stimmungsmacher. Sie geißeln die Generation der Gebärschwachen, die auch die folgenden Generationen herabziehen wird in die biologische und finanzielle Verdammnis; und sie geißeln die Politiker, die es hätten wissen und verhindern müssen und nichts getan haben. Nun lassen sich Vergreisung und Schrumpfung nicht mehr aufhalten. Sie lähmen die Wirtschaft, erdrücken die Systeme sozialer Sicherung, schwächen die Familien und die westlichen Lebensformen allgemein angesichts des Ansturms der kinderreichen Kulturen. So interpretiert, bildet die Geburtenziffer um sich herum eine Erschreckensgemeinschaft.

    Die Dramatik und Tiefe des geweissagten Unheils stehen in seltsamem Widerspruch zu der Banalität der Maßnahmen, die ihnen wehren sollen. Gestritten wird über Kindergeld und Kinderkrippen, Ehegattensplitting und Erziehungsurlaub… Da werden die alten ideologischen Schlachten geschlagen gegen Rabenmütter und Übermütter. Hinter den Fronten aber herrscht Hilflosigkeit. So wenig man mit erhöhten Tabaksteuern aus Rauchern Nichtraucher macht, so wenig mit Geburtenförderungsprogrammen aus Nichteltern Eltern.

    Geburtenpolitik wirkt, wenn überhaupt, vorübergehend – und zu spät, um gesellschaftliche Alterung aufzuhalten. Das zeigt sich gerade dort, wo fortschrittliche Geburtenpolitiker einen Silberstreif am Horizont zu erkennen glauben, in den skandinavischen Ländern. Sie machen es modernen Frauen leicht, im (Teilzeit-)Beruf zu bleiben, während ihr Kleinkind im Hort ist. Der Fall der Geburtenrate scheint dadurch aufhaltbar – aber doch erst bei etwa 1,7 Kindern pro Frau, also weit unterhalb des erwünschten Gleichgewichtspunktes von 2,1. Für die demografische Gefahrenbeschwörungsgemeinschaft ist dies eine magische Zahl. Eine Geburtenrate, die tief darunter liegt, wird zum Inbegriff des Untergangs.

    Bei genauer Betrachtung ist der Geburtenrückgang jedoch weniger ein Problem, sondern im Gegenteil eine Lösung für viele Probleme. Er ist ein tragender Pfeiler für die Entwicklung moderner Gesellschaften. Vieles, was wir als Fortschritt nicht missen möchten, hängt an ihm und hält ihn. So ist der Geburtenrückgang untrennbar verbunden mit der grandiosen Verlängerung der Lebenserwartung. In Deutschland hat sie sich innerhalb des vergangenen Jahrhunderts fast verdoppelt; bei den Männern von 41 Jahren auf 75 Jahre und bei den Frauen von 44 Jahren auf 81 Jahre. Länger leben, das ist ein uralter Menschheitstraum. Seine Realisierung bedeutet zwar nicht das reine Zuckerschlecken, aber doch eine teilweise Lösung der ewigen Probleme von Armut, Unwissenheit, Unsicherheit, Krankheit. Das war nur möglich, weil die Zahl der Geborenen in etwa dem gleichen Maße zurückging wie die Lebenserwartung anstieg. Der Fall der Geburtenrate erhöhte zwar den Altenanteil an der Bevölkerung – „Vergreisung“, rufen die Kassandras –, verhinderte aber, dass sich heute in Deutschland zwischen 100 und 200 Millionen Menschen drängeln. Man kann nicht alles zugleich haben: ein längeres Leben, eine jugendliche Gesellschaft und eine stabile Bevölkerung.

    weiter http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=743
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. März 2006
  2. klebnikow

    klebnikow Junior Member

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    Rlp/Hessen
    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Guter Bericht.

    Diese Panikmache mit der "demografischen Bombe" dient doch nur wieder der privaten Versicherungswirtschaft, die ihre Privatrentenpolicen und Lebensversicherungen an den Mann bringen will.
    An allem was schlecht läuft im Land soll die "demografische Bombe" dran Schuld sein - Arbeitslosigkeit, Schulden, Pessimismus, Unfähigkeit.

    PS: Die Allianz hat gerade einen Jahresgewinn von über 4 Milliarden (!) vermeldet. Die Verdoppelung des Gewinns sei v.a. auf die vermehrte Nachfrage nach Lebensversicherungen und Privater Rentenvorsorge zurückzuführen.

    PPS: Die Allianz kündigte gleichzeitig an, ihr System "straffen" zu wollen. Man müsse mit Personalentlassungen rechnen.:wüt:
     
  3. A.W.

    A.W. Junior Member

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  4. LHB

    LHB Institution

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    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    der gewinn reicht noch nicht. :eek:
     
  5. klebnikow

    klebnikow Junior Member

    Registriert seit:
    15. November 2004
    Beiträge:
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    Ort:
    Rlp/Hessen
    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Das ist doch wieder ganz klar eine Initiative der Versicherungswirtschaft.

    Ja und jetzt wollen sie die Leute auch noch Zwangsprivatversichern. Hans Werner Sinn mal wieder. Ich weiß garnicht wieviel der von der V-Lobby dafür bezahlt bekommt, dass der immer wieder den stumpfen Unsinn von sich gibt. Nicht mal Export vom Import kann er unterscheiden.
     
  6. tvfreund

    tvfreund Senior Member

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    Beiträge:
    240
    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!


    Wenn diese "Brandstifter" weiterhin Hand an den sozialen Frieden in Deutschland legen, dann werden sie irgendwann einen Sturm ernten, der sie hinwegfegen wird.

    Diese Idee die dort aufgeführt wird, ist so alt wie polemisch und nur darauf aus, Stimmung zu machen.

    Kürzlich kam bei uns in der Zeitung ein Beitrag, in der hochgerechnet wurde, wie teuer doch die Erziehung eines Kindes sei und dass der Staat hier nur kassieren würde. Das ist ebenso polemisch und für die angehenden Eltern auch keine Ermutigung.

    An dieser Stelle sollte dann genauso die Forderung gestellt werden, dass :

    - die Diäten und Aufwandsentschädigungen für Politiker auf ein Normalmaß zusammengestrichen werden.
    - Politiker sich nicht mehr über - meist sogar mehrere - Aufsichtsratsposten in die Dienste und damit Abhängigkeit der Wirtschaft begeben.
    - Renten für Spätaussiedler nicht aus der Rentenkasse sondern aus Steuermitteln ( von ALLEN nach ihrer Leistungsfähigkeit getragen! ) - anderen ( Auch Politiker müssten dann zahlen !!! )

    [Zynismus]
    - Wie sieht es eigentlich mit den Kindern, die aufgrund eines Geburtsfehler oder aufgrund von Unfallfolgen niemals berufstätig sein können; also niemals in die Rentenkasse einzahlen werden. Werden deren Eltern genauso behandelt, wie die "Kinderlosen" ?
    [/Zynismus]

    Wass mich ärgert, ist dass hier jedesmal kein Unterschied gemacht wird zwischen Childless- ( Ehepaare, die keine Kinder bekommen können ) und Childfree ( Ehepaare, die keine Kinder bekommen wollen ). In letzem Fall ist es eine persönliche Entscheidung; diese ist zu respektieren. In erstem Fall ist es ein menschliches Schicksal. Und dies trifft immer mehr Paare. Dies ist übrigens wissenschaftlich bewiesen !
     
  7. littlelupo

    littlelupo Guest

    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Dann frage ich doch mal ganz provokativ.... :)

    Wenn die Bevölkerung weiterhin so schrumpft und dann das deutsche Volk in 100 oder 200 Jahren nahezu ausgestorben ist, fehlt dann etwas auf dieser Welt? :)
    Was sollen die Politiker denn gegen den Geburtenrückgang tun, in der Kondomfabrik Löcher in die Kondome schneiden? :)
    Es ist aber die blanke Realität, das ein Kind Unmengen an Geld kostet, bis er irgendwann einmal finanziell auf eigenen Beinen steht. ;)
    Finde ich sehr treffend formuliert, diesen Absatz. Vor allem geht nicht gleich die Welt unter, wenn die Deutschen nicht gerade karnickelhaft Kinder in die Welt setzen.
     
  8. ThaiChi72

    ThaiChi72 Senior Member

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    Erkrath
    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Wow, die ersten positiven Stimmen zum Geburtenrückgang. Hab mich schon gewundert, wo die bleiben. Ich find das auch gut. :)

    Einerseits jammert man über zu viele Arbeitslose und zu wenig Jobs. Andererseits schrillen schon alle Alarmglocken, wenn es mal etwas weniger Neugeburten gibt. Hallo?
    Wir sind eh schon überbevölkert. Die Leute treten sich doch gegenseitig auf die Füße.

    Aber ich glaube, daß die ganzen Zahlen nicht richtig ausgelegt wurden. Wenn die Geburtenrate stagniert, muß es sich doch nicht zwangsläufig um einen Geburtenrückgang handeln. (oder hab ich da wieder was falsch verstanden?)
    Nein, diese ganze Panikmache hat doch sicher wieder kommerzielle Hintergründe ...
     
  9. klebnikow

    klebnikow Junior Member

    Registriert seit:
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    Ort:
    Rlp/Hessen
    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Man muss aber auch sagen, dass nicht Jobs entstehen wenn es weniger Neugeburten gibt.
    Aber etwas weniger Leute im Land, warum soll das schaden? Diese Schwankungen hats schon immer in der Geschichte gegeben.
    Wie gesagt, die Versicherungswirtschaft kriegt den Hals nicht voll. Jetzt regen sich erstmal alle auf. Dann fragt man sich was dagegen getan werden kann. Und zwar nichts. Und dann guckt jeder nur noch dass er seine eigenen Schäfchen ins Trockenen bekommt. Und hier kommen die privaten Rentenversicherer ins Spiel...
     
  10. littlelupo

    littlelupo Guest

    AW: Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!

    Dei Geburtenrate stagniert momentan auf einem recht niedrigen Niveau. In der Form, daß weniger Leute geboren werden als sterben. Die Bevölkerung schrumpft also, von Jahr zu Jahr in gleichem Maße. Ich hoffe, ich habe das einigermaßen gut ausgedrückt.
     

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