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Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

Dieses Thema im Forum "Politik" wurde erstellt von x-man, 29. Dezember 2005.

  1. x-man

    x-man Gold Member

    Registriert seit:
    29. März 2001
    Beiträge:
    1.677
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    In einem am Dienstag von der Los Angeles Times veröffentlichten Artikel des britischen Journalisten Robert Fisk kritisierte dieser anläßlich der Abberufung eines Kollegen des Boston Globe anhand mehrerer Beispiele offenbar gezielte Begriffsaufweichungen in den Medien.

    "Ich bezeichnete die israelische Likud-Partei als 'rechts'", sagte sein Kollege. "Aber kürzlich haben mir meine Redakteure gesagt, ich solle diese Formulierung nicht mehr benutzen. Zahlreiche Leser kritisierten dies." Auf die Nachfrage "Und jetzt?" sagte er: "Wir bezeichnen sie einfach nicht mehr als 'rechts'."

    Dies ist aber keineswegs die einzige Formulierung, die offenkundig den Boden einer neutralen Berichterstattung weit hinter sich läßt. So werden die zementierten israelischen Landnahmen von besetztem – auch dies ein weiterer Tabubegriff – palästinensischem Land nicht einmal mehr als "Siedlungen", sondern mittlerweile gar als "jüdische Viertel" bezeichnet. Aus dem besetzten Palästina wurde "umstrittenes" palästinensisches Land, nachdem der damalige US-Außenminister Colin Powell US-Botschaften im Mittleren Osten anwies, diese Formulierung zu benutzen.

    Und auch die "Mauer", die mittlerweile praktisch offiziell der israelischen Landnahme dient, wird gern als "Zaun" oder "Sicherheitssperre", dem von staatlichen israelischen Stellen bevorzugten Begriff, bezeichnet. "Auf einigen Teilen, so sagt man uns, ist es überhaupt keine Mauer – also können wir es auch nicht als 'Mauer' bezeichnen, obwohl der größte Teil der Schlange aus Beton und Stahl, die sich östlich Jerusalems erstreckt, höher als die Berliner Mauer ist", so Fisk.

    Fisk sieht hier auch eine klare Absicht, jeglichen palästinensischen Widerstand zu diskreditieren. "Wenn palästinensisches Land nicht besetzt, sondern nur Teil eines rechtlichen Streits ist, der vor Gericht oder bei Gesprächen über einem Glas Tee ist, dann handelt ein palästinensisches Kind, das einen Stein auf einen israelischen Soldaten wirft, offenkundig irrsinnig", schreibt er. "Wenn eine illegal auf arabischem Land gebaute jüdische Kolonie nur ein nettes freundliches 'Viertel' ist, dann muß jeder Palästinenser, der sie angreift, einen sinnlosen terroristischen Akt begehen", ebenso, wie es keinen Grund gäbe, gegen einen "Zaun" oder eine "Sicherheitssperre" zu protestieren.

    Aber auch hinsichtlich des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA gegen den Irak greifen offenbar die gleichen Mechanismen, wurden die irakischen Widerstandskämpfer doch von Beginn an – ganz der Linie der US-Regierung und des US-Militärs folgend – als "Rebellen", "Überbleibsel des früheren Regimes" oder auch – gerade in letzter Zeit ein zunehmend beliebter Begriff – als "Terroristen" bezeichnet. Ebenso vermeidet es das US-Fernsehen, die Folgen der Bombardements, des Napalms, der ungezielten Schüsse oder der Strahlung des "abgereicherten" Urans zu zeigen.

    "In der guten alten Zeit glaubten wir – oder nicht? - daß Journalisten 'sagen sollen, wie es ist'", so Fisk. "Also laßt uns eine Kolonie eine Kolonie nennen, laßt uns Besatzung als das bezeichnen, was sie ist, laßt uns eine Mauer eine Mauer nennen. Und vielleicht die Realität des Krieges zum Ausdruck bringen, indem wir zeigen, daß er nicht vorrangig Sieg oder Niederlage bedeutet, sondern das totale Versagen des menschliches Geistes." (freace)
     
  2. Jazzman

    Jazzman Guest

    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    In Deutschland sind Worte wie "Sozialabbau" ja auch in den Medien nicht-existent, viele Formulierungen lassen die Israelis immer als die Guten dastehen und die Palästinenser sind automatisch alles Terroristen und Agenda 2010 und die Hartz-Reformen sind laut Medien alle gaaaaanz toooooll. Nur dumm das aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen gerade zu letzterem (Hartz I-III) das Gegenteil beweisen.
     
  3. A.W.

    A.W. Junior Member

    Registriert seit:
    4. November 2004
    Beiträge:
    119
    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    Neusprech

    Der Ausdruck Neusprech (englisch: Newspeak) stammt aus dem Roman 1984 von George Orwell. Es bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Ihr Ziel ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu leiten.

    Damit sollen so genannte Gedankenverbrechen unmöglich werden. Durch die neue Sprache soll die Sprache der Bevölkerung so manipuliert werden, dass diese nicht einmal an Aufstand denken kann, weil ihr die Worte dazu fehlen. Der Begriff Neusprech oder Newspeak gilt heute quasi als ein Synonym für eine euphemistische Sprachverstümmelung oder eine Wortverdrehung. Das schließt auch bewusste Perspektivwechsel mit ein. Aus "Die Lage ist katastrophal." wird "Wir sollten zur Normalität zurückkehren."

    Neusprech benutzt eine dem Esperanto durchaus ähnliche Wortbildungsmethode. So wird z. B. „schlecht“ zu „ungut“ (vgl. esperanto „malbona“). Dazu kommen logische Zusammensetzungen wie gut - plusgut - doppelplusgut, die gefühlsbetonte Wörter ablösen. Im Gegensatz zu Esperanto verlieren die Wörter aber auch Teile ihrer ursprünglichen Bedeutung. Es gibt zwar noch das Wort „frei“, jedoch nicht mehr im Sinne von „politisch frei“ sondern nur noch im Sinn von „ohne“ (z. B. „Der Hund ist frei von Flöhen“).

    Von vielen Linguisten wird bezweifelt, dass eine derartig radikale künstliche Umgestaltung des menschlichen Denkens durch Sprache überhaupt möglich ist. Auf einem niedrigeren Niveau findet man solche „Reformsprache“ sowohl in politisch korrekter Sprache, aber auch in vielen totalitären Systemen, seien es totalitäre Staaten oder totalitäre Sekten -- etwa die nach dem Buch „LTI“ des Linguisten Victor Klemperer später so genannte Lingua Tertii Imperii im dritten Reich. Typisch für solche „Sprachen“ sind Unmengen an Abkürzungen (Hartz IV; Alg2) sowie der Gebrauch von scheinbar alltäglichen Wörtern als Chiffren und Euphemismen für Dinge oder Vorgänge, die unter ihrem wahren Namen allgemein Abscheu erregen würden. Beispiel: „Endlösung der Judenfrage“ für Massenmord.

    George Orwell hat seinem Roman 1984 eine Einführung in Neusprech angehängt. In dem Roman wurden auch ältere Bücher z. B. von Shakespeare umgeschrieben um den neuen Anforderungen an politischer Korrektheit zu entsprechen. Die gesamte Geschichtsumschreibung von Altsprech zu Neusprech sollte 2050 abgeschlossen sein.

    "Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit. Ozeanien befindet sich im Krieg mit Eurasien, Ozeanien befand sich schon immer im Krieg mit Eurasien." - 1984, George Orwell

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Dezember 2005
  4. Gag Halfrunt

    Gag Halfrunt Lexikon

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    Hier handelt es sich letztlich um Euphemismen, die immer wieder gerne in der Sprache auftauchen, um unangenehme Dinge zu kaschieren, bzw. von Unrecht abzulenken.

    Euphemismen findet man auch bei uns zuhauf. Ein Klassiker ist z.B. "Entsorgung" statt "Müllbeseitigung". In der Arbeitswelt werden z.B. Angestellte "freigesetzt" oder "dem Arbeitsmarkt zugeführt", statt sie zu "kündigen" oder zu "feuern".
    Und in diktatorischen Regimes werden unliebsame Menschen werden nicht "ermordet" oder "getötet", nein, sie werden "exekutiert" oder "liquidiert".

    Selbst das Wort "Bevölkerung" ist nur daraus entstanden, dass niemand nach dem Krieg mehr das Wort "Volk" in den Mund nehmen wollte, nachdem es zuvor von den Nazis in den braunen Dreck gezogen wurde.

    Gag
     
  5. littlelupo

    littlelupo Guest

    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    @Gag:
    Was ist dir persönlich lieber? Ich sage lieber "jemand ist gestorben" statt "er ist gegangen..."
    "Kündigung" klingt für mich auch irgendwie eindeutiger als "freisetzen", deshalb mag ich das Wort "freisetzen" nicht so sehr...
    Ich frage nur deshalb, weil Du bei Deinen Ausführungen darauf verzichtet hast, Deine eigene Meinung zu nennen.
     
  6. casper100

    casper100 Wasserfall

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    Deswegen bleibt für mich auch die "Bundesagentur für Arbeit" das Arbeitsamt.
    Ein "sozialverträglicher Arbeitsplatzabbau" ist und bleibt eine Entlassung.

    ...
     
  7. Lechuk

    Lechuk Institution

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    soziale Marktwirtschaft ist auch nur Kapitalismus
     
  8. Gag Halfrunt

    Gag Halfrunt Lexikon

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    Das ist leider falsch.

    Die soziale Marktwirtschaft zeichnet aus, dass sie zusätzlich zu den rein marktwirtschaftlichen Regularien weitere Steuerungselemente enthält, die den Bürger zu einem gewissen Teil vor den negativen Auswirkungen einer reinen Marktwirtschaft schützen soll, z.B. eine Grundsicherung durch die Kranken-, Sozial- und Rentenversicherung.

    Es gibt Marktwirtschaftlich organisierte Systeme, in denen so etwas nicht vorhanden ist, wie z.B. in den USA.

    Ich bin auch eher ein Freund, das Kind beim Namen zu nennen. So ist die "Todesstrafe" für mich auch nichts anderes als "Mord" oder zumindest "Tötung" auf staatlichem Befehl.

    Gegenüber Betroffenen (von was auch immer) kann ein Euphemismus jedoch eine Form von Taktgefühl oder Diplomatie darstellen.

    Gag
     
  9. casper100

    casper100 Wasserfall

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    Las dir dein Geschriebenes mal gaaaanz langsam auf der Zunge zergehen.
    Evtl. läuft bei uns doch was verkehrt.
     
  10. solid2000

    solid2000 Lexikon

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    AW: Begriffsanpassungen: (Nicht nur) die USA und die Medien

    In der DDR gabs auch keine Mauer, das hiess da offiziell "Antifaschistischer Schutzwall".
     

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