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Abschied von einer deutschen Illusion

Dieses Thema im Forum "Politik" wurde erstellt von bilanz, 29. Juni 2005.

  1. bilanz

    bilanz Guest

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    Was konnte sich der deutsche Bundeskanzler Schröder von seiner hastigen Stippvisite im Weissen Haus mehr erhoffen als ein bisschen Aufmerksamkeit in den deutschen Medien? Zwar war er mit dem grössten Journalistentross in Washington angereist, der je mit einem Kanzler über den Atlantik fliegen durfte. Umso kümmerlicher aber war das Echo in Deutschland, weil dort offenkundig kein Interesse mehr besteht an aussenpolitischen Inszenierungen des Regierungschefs. Die deutschen Probleme haben Vorrang. Am Freitag wird der Kanzler in Berlin das Parlament davon zu überzeugen versuchen, dass er das Vertrauen der Bundestagsabgeordneten nicht mehr verdient.

    Es ist dieser doch viel bemerkenswertere Vorgang, der die Phantasie fesselt, und nicht das, was ein unverbindlicher Präsident Bush freundlich in die Mikrofone geben mag. Auch den deutschen Beobachtern ist nicht entgangen, dass sich hinter Bushs Höflichkeit die Einsicht verbirgt, der Bundeskanzler spiele als Gesprächspartner keine Rolle mehr. Der Begriff der «lame duck», der lahmen Ente, ist nicht zufällig im amerikanischen politischen Betrieb geboren worden. Seine Bedeutung ist unzweideutig. Bush konnte es sich trefflich erlauben, gegenüber Schröder nett zu sein.

    Wäre Schröder noch ernst zu nehmen, hätte Bush sich wohl etwas klarer ausgedrückt. Zunächst hätte er dem deutschen Kanzler in unzweideutiger Sprache zu verstehen gegeben, dass ein ständiger Sitz für Deutschland im Uno-Sicherheitsrat nicht in Frage kommt. Das war in Washington vor knapp drei Wochen durch die amerikanische Aussenministerin bereits einmal offen ausgesprochen worden. Aber in Berlin hat man es einfach nicht hören wollen.

    Seit Schröder und sein Aussenminister Fischer als Herolde eines erweiterten Sicherheitsrats die Welt bereisen, hat sich die deutsche Diplomatie durch kolossale Wahrnehmungsdefizite ausgezeichnet. In den Korridoren am East River strebte sie Allianzen zwischen potenziellen Anwärtern für einen ständigen Sitz an, die bunter, inkohärenter und irrealer nicht hätten sein können. All dies mit dem Ziel, zur Ehre der multilateralen Idee die Handlungsfähigkeit der Uno in alten und neuen Konflikten zu erhöhen.

    Schon dieses Anliegen Berlins ist eine Illusion, die die Erfahrungen mit dem Sicherheitsrat in den letzten 15 Jahren genauso verkennt wie die Denkweise im wahren Zentrum der Macht. In Washington wird schlicht abgelehnt, was in den New Yorker Wandelhallen als reizvolles Spiel diplomatischer Zirkel betrieben wird. Es gab und gibt dort kein Verständnis für Fischers und Schröders Ambitionen. Das hat viele Gründe. Zum Beispiel wird keine der gegenwärtigen fünf Vetomächte eine Beschneidung ihrer Macht durch Deutschland, Brasilien oder gar Nigeria zulassen. Ferner scheint man in Washington ein feineres Sensorium als in Berlin für die Tatsache zu haben, wie unbeliebt ein deutscher Uno-Sitz in vielen Ländern Europas wäre.

    Schliesslich kommt hinzu - und dies spielt eben noch immer eine Rolle -, dass Schröder sich das Vertrauen der Amerikaner unwiederbringlich verscherzt hat. Es ist kaum nachzuvollziehen, wieso man sich in Berlin bis zuletzt so unverzagt der Fehleinschätzung hat hingeben können, die fatalen Misstritte Schröders in dessen Wahlkampf von 2002 seien jenseits des Atlantiks vergessen. Sie sind es nicht.

    So muss nicht erstaunen, dass der deutsche Kanzler mit leeren Händen nach Berlin zurückkehrt. Zwar nimmt man zur Kenntnis, dass Schröder den amerikanischen Präsidenten auffallend deutlich ermahnte, gegenüber Teherans nuklearen Ambitionen weiterhin Geduld zu üben. Aber es ist kaum vorstellbar, dass es den rot-grünen Wahlkämpfern mit dem Thema Iran gelingen könnte, erneut antiamerikanische Emotionen so aufzupeitschen, dass sich damit Wahlen gewinnen lassen. Diese Masche verfängt kaum mehr. In Deutschland will man anderes hören. Also ist es eben doch bloss eine Stippvisite gewesen, ein Abschiedsbesuch in aller Höflichkeit, der nichts bedeutet und eigentlich völlig unnötig war.

    de.
     
  2. ukroll96

    ukroll96 Guest

    AW: Abschied von einer deutschen Illusion

    Das sind die letzten Zuckungen von Schröder, bevor er aus dem Amt gejagt wird, eben wie du es beschreibst ein letzter Akt der "Höflichkeit" seitens Schröders. Seine Karriere ist beendet, egal was er anstellt.
     
  3. noeler

    noeler Board Ikone

    Registriert seit:
    7. März 2002
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    3.138
    Ort:
    -
    AW: Abschied von einer deutschen Illusion

    Nö, seine Karriere faengt ers richtig an ( in Sachen Geld verdienen )
    Jedenfalls sagte er mal der FTD, dass er nach der Politik nach NY gehen will. Er haette dort ein gutes Angebot der Citigroup und da seine Frau schon frueher in NY lebte sind die sich wohl einig...
     
  4. SchwarzerLord

    SchwarzerLord Wasserfall

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    -
    AW: Abschied von einer deutschen Illusion

    Vielleicht mutiert er ja auch zu einer "Heuschrecke", die dann eine deutsche Firma ausweidet? :confused:
     
  5. Mjöllnir

    Mjöllnir Guest

    AW: Abschied von einer deutschen Illusion

    Banken waren schon immer ein beliebter Arbeitgeber bei Politikern.

    Wenn Schröder zur US-Hochfinanz übertritt muss er sich ja gar nicht groß umstellen. Die sagen ihm auch jetzt schon was er zu machen hat.
     

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